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Erinnerungen an dunkelste Zeiten

Wir haben in der Vergangenheit gelernt: In Deutschland, in Europa ist Empörung etwas Selektives. Der »moralisch Anständige« überlegt es sich genau, wann er gegen wen auf die Straße geht. Wir wissen das, wir kennen das. Seit langem.

Nun aber verstehe ich wahrlich die Welt nicht mehr. Selbst Foxnews ist inzwischen kritisch geworden. Und zeigt, wie alle anderen Sender auch, herzzerreissende Bilder von weinenden Kindern, die auf Befehl von Donald Trump, von ihren Eltern getrennt werden. Sie wissen, wovon ich spreche? Ja? Nein?

 

Menschenverachtung an der Grenze zu Mexiko

Trump hat den Befehl gegeben, Familien, die von Mexiko illegal über die Grenze kommen, festzunehmen, in Lager zu stecken und – die Kinder von ihren Eltern zu trennen!! Mal abgesehen davon, daß der illegale Übertritt kein Verbrechen ist – er gilt in den USA als Ordnungswidrigkeit – kann es unmenschlicher gar nicht mehr zugehen. Trump will die Familien abschieben? Ok – aber bitte doch zusammen! Die Assoziationen, die mir bei diesen Bildern hochkommen, sind politisch falsch, aber menschlich gar nicht…

Selbst Melania hat sich inzwischen dazu geäußert: kritisch. Negativ.

 

Menschlichkeit mit Füßen getreten

Und wo bleibt der Massenprotest in Deutschland, in anderen europäischen Hauptstädten vor den Botschaften der USA? Wenn nicht einmal mehr das die Menschen auf die Straße treibt, daß die wichtigste Demokratie der USA gerade aufhört als solche wirklich zu funktionieren, wenn Menschen die keine »Feinde« oder »Kriminelle« oder sonstwas sind, so behandelt werden? Wenn das letzte Quentchen an Menschlichkeit mit Füßen getreten wird – ja was dann? Selbst im schrecklichen Asylstreit in Europa, selbst dort, wo Asylsuchende schrecklich behandelt werden, werden die Familien nicht auseinandergerissen. Aber in den USA des Donald Trump eben schon.

Um das vielleicht zu ändern, muß der Protest weltweit groß und größer werden. Immerhin: die Bilder in den amerikanischen Sendern sind die »beste« Negativpropaganda für das Weisse Haus. Sie werden vielleicht dazu beitragen, daß Trump seine Politik ändern muß. Er wird es nicht aus Überzeugung tun – wir sollten spätestens jetzt das Menschenbild dieses Mannes begriffen haben – aber er wird es vielleicht, hoffentlich, tun müssen, um in den Wählerumfragen nicht abzusinken.

 

Erinnerungen an dunkelste Zeiten

Europäischer Protest wird sicher nichts dazu beigetragen haben. Es gibt ihn so gut wie nicht. Dabei geht es nicht nur um die Familien vor Ort. Es geht um soviel mehr. Aber Amerika ist ja weit weg. Es soll niemanden verwundern, wenn diese Politik aber eines Tages auch in Europa Schule machen wird. Die neuen Populisten kopieren sich gegenseitig allzugern. Italiens Innenminister Salvini, der Chef der rechtslastigen Lega, hat nun angekündigt, er wolle die Roma in Italien »zählen lassen«. Auch das erinnert mich an dunkelste Zeiten …

 

Richard C. Schneider, Tel Aviv

2 Gedanken zu „Erinnerungen an dunkelste Zeiten

  1. So einfach ist es nicht !
    Im Moment müssen sich Europäer nicht « zuständig » fühlen für das, was an den Grenzen der USA vor sich geht, denn der Aufschrei in den USA selbst ist ja sehr gross, und den Bildern von Kindern « in Käfigen » sowie Tonaufnahmen von nach ihren Eltern weinenden Kindern ist so nichts hinzuzufügen.

    Dennoch bedarf es auch in dieser Sache der Kontextualisierung, um diese Bilder richtig einordnen zu können.
    1. Ich habe mit der Geburt meines ersten Kindes in den USA selbst erfahren, dass es « den » Amerikanern irgendeinen düsteren Genuss bereitet, Eltern von Kindern, Kinder von Eltern zu trennen, und immer « muss » es so sein, und weiche Reaktionen, Tränen usw. sind nicht gefragt, gelten als unamerikanisch.

    Später habe ich Erfahrungen mit kleinen Kindern in der Schweiz, in Deutschland und vor allem in Frankreich gemacht, und hier in Europa ist es ganz anders. Dazu bedarf es keines speziellen Programms. Beispiel Frankreich : Die französische Gesellschaft und Kultur funktionieren anders. Selbstverständlich tröstet man ein weinendes Kind, nimmt es in den Arm und fördert die Harmonie zwischen Eltern und Kindern. Selbst bei Tagesmüttern oder in Kindertagesstätten in Frankreich finden die Kinder Geborgenheit. In den USA habe ich das ganz anders erlebt. Das Land ist so reich, und den Kindern dort schlägt vielmals eine solche Kälte entgegen ! Wahrscheinlich liegt hierin eine Grundlage für das Wesen der stärksten Militärmacht der Welt. Ohne ein Mindestmass an Kälte und Härte geht es nicht.

    2. Es ist grundsätzlich nicht ungewöhnlich, dass asylsuchende Familien in den USA getrennt werden. Der amerikanische Autor Viet Thanh Nguyen berichtete gestern in einem Interview auf CNN mit C. Amanpour von seiner eigenen traumatischen Erfahrung, als er im Alter von vier Jahren von seinen aus Vietnam kommenden Eltern getrennt wurde und in einer Pflegefamilie unterkam, wo er gut behandelt wurde.

    3. Wenn man den Zahlen Glauben schenken darf, befinden sich aktuell ca. 10.000 Minderjährige ohne Eltern in Aufnahmeeinrichtungen (Lagern/Zelten) an der Grenze zu Mexiko. Bei diesen Minderjährigen handelt es sich in den meisten Fällen um 15- 17jährige männliche Jugendliche, die alleine auf den Weg geschickt wurden… – Warum ? Sollen sie später die Familie nachholen ? Sollen sie sich einfach alleine durchschlagen ? Gibt es kriminelle Hintergründe ? – Ich weiss es nicht.

    4. Weitere über 2.000 Minderjährige (Tendenz steigend), darunter auch zahlreiche jüngere Kinder meist ab 5 Jahren befinden sich ebenfalls in Einrichtungen ohne ihre Eltern. Sie wurden von ihren Eltern GETRENNT, und um diese Kinder vor allem dreht sich nun alle Aufregung.
    Sie werden misshandelt (= Trennung von den Eltern). Sie werden als politisches Druckmittel von der Trump-Regierung missbraucht – rufen die einen, und die anderen verstricken sich in widersprüchlichen Aussagen.

    Worum geht es ?

    Ja, Trump möchte eine Änderung der aktuellen Gesetzgebung. …

    5. Die Situation hat sich in den vergangenen Monat verschärft. Wie kommt das ? Nach dem, was ich bis jetzt herausgefunden habe, werden « legal » asylsuchende Familien bei ihrer Ankunft nicht getrennt. Dies geschieht nur bei jenen, die die Grenze « illegal » überqueren. Es gibt bestimmte Zugangspunkte, um die Grenze legal zwecks Asylsuche zu überqueren. Seit einigen Monaten (seit wann ? überall ? wo genau ?) sind viele ? dieser Zugangspunkte (« ports of entry ») jedoch temporär geschlossen. Ms. Nielsen (Homeland Security) erklärte auf der Pressekonferenz des Weissen Hauses gestern, dass dies daran liege, dass die Aufnahmekapazitäten für Asylsuchende auf der amerikanischen Seite erschöpft seien und dass man die Leute auf der mexikanischen Seite entsprechend bitte, zu einem späteren Zeitpunkt (wann ?) wiederzukommen.

    6. Dies führt dazu, dass Menschen beispielsweise an einer Stelle, wo der Zugangspunkt über eine Brücke führt, den Fluss auf andere Weise überqueren, um so die USA zu erreichen. Auf der anderen Seite werden sie dann als illegale Einwanderer gefasst, registriert, und Familien werden getrennt.

    7. Worum geht es im Streit zwischen Trump-Republikanern und Demokraten ? Neben dem Thema der Mauer… will die Trumpregierung, dass Asylsuchende als Familien zusammenbleiben, dass sie jedoch für die Dauer der Bearbeitung ihres Gesuchs in Aufnahmelagern festgehalten werden, so dass gegebenenfalls eine Ablehnung des Antrags und Abschiebung einfach möglich ist. Die Demokraten wollen ebenfalls, dass Asylsuchende als Familien nicht getrennt werden, jedoch auch, dass sie nicht an der Grenze festgehalten werden, sondern dass sie ins Land weiterreisen dürfen und sich in den USA aufhalten dürfen, bis über ihr Asylgesuch entschieden wird. Es ist dann schwieriger im Fall einer Ablehnung, die Menschen zu finden und wieder des Landes zu verweisen.

    8. Dazu gibt es noch vieles anzumerken. So sind die illegal in den USA lebenden Lateinamerikaner beispielsweise als billige Arbeitskräfte in der Landwirtschaft oder auch im Bau unentbehrlich. Die amerikanische Wirtschaft profitiert davon, aber die Arbeiter werden ausgebeutet.

    Dann wiederum erklärte John Kelly, dass diese Menschen meist mit nur einer sehr geringfügigen Schulbildung kommen und sich nur schwer in die amerikanische Gesellschaft integrieren können. Das ist die Situation sehr vieler, der meisten Asylsuchenden weltweit und auch Teil der amerikanischen Geschichte. Parallel identifiziert « ICE » seit Trumps Amtsantritt verstärkt Illegale und schiebt sie selbst nach Jahrzehnten im Land ab. Sind Trumps Massnahmen rassistisch, oder geht es bei alledem wirklich (nur) um das Anwenden bestehender Gesetze ? Jeder wird diese Frage entsprechend der eigenen politischen Gesinnung beantworten.

    9. Es steht ausser Frage, dass es ein Problem an der Grenze gibt, und dabei dient die Politik der Trennung von Familien der gezielten Abschreckung von Zuwanderern (Jeff Sessions), was von anderen Mitgliedern der Regierung wiederum geleugnet wird. Im Moment sind 2.000+ durch amerikanische Behörden von ihren Eltern getrennte kleine Kinder die Hauptleidtragenden.

    Hierbei handelt es sich nicht um ethnische Säuberung. Dahinter verbirgt sich kein Vernichtungswille oder ähnliches. Diese Praxis ist zweifellos grausam, zugleich aber noch nicht eine Situation, die erforderlich machen würde, europäische Einsatztruppen an die mexikanisch-amerikanische Grenze zu entsenden… oder Grossdemos in Europa zu veranstalten.

    Wir sollten in Europa erst einmal vor der eigenen Türe kehren… Solange bspw. weiterhin Genitalverstümmelungen von Mädchen in Europa möglich sind, muss niemand mit dem Finger auf Lager für Asylsuchende an einer Grenze in Übersee zeigen, auch wenn die Empörung darüber berechtigterweise gross sein mag.

  2. Sein scheinbares Einknicken im Streit um die Trennung von Eltern und Kindern bei der Einreise von Mexiko in die USA zwecks Asylsuche ist für Trump ein Etappensieg in seinem Ziel, die Gesetze zur Immigration in die USA zu verschärfen und mit aller Härte durchzusetzen.

    Mittlerweile wurde bekannt, dass manche der Kinder-in-Käfigen-Bilder aus Obamas Amtszeit stammen, da es einen ähnlichen Streit bereits schon einmal gab. Asylsuchende, die « illegal » die Grenze überqueren, d.h. nicht über einen der ausgewiesenen Zugangspunkte, sollen, so sieht es das Gesetz vor, … inhaftiert werden. So wurden bereits unter Obama Familien inhaftiert. Es regte sich Widerstand, da Kinder nicht wie Kriminelle behandelt und in Haftanstalten für Erwachsene inhaftiert werden sollten. Man hat sich daher bemüht, die Kinder wieder zu befreien und in Pflegefamilien oder bei Familienangehörigen in den USA unterzubringen. Das heisst, Familien wurden getrennt. Es wurde weiter argumentiert, dass es grundsätzlich verkehrt sei, Asylsuchende zu inhaftieren, gleich, auf welche Weise sie die Grenze überquert haben. Asylsuchende sind in Not und nicht « illegal ». Diese Argumentation hat dazu geführt, dass auch Eltern wieder freigelassen wurden und dass Familien trotz « illegaler » Einwanderung weiterziehen durften.

    Trump möchte gegen die massenhafte Einwanderung über die amerikanische Grenze zu Mexiko vorgehen. Er will eine Mauer bauen, abschrecken und das Gesetz mit aller Härte anwenden. Niemand wird einfach durchgewunken. Legale Zugangspunkte werden temporär geschlossen. So steigt die Zahl der « illegalen » Einwanderer, die laut Gesetz inhaftiert werden « müssen ». Zugleich gibt es eine Verordnung, die aus Obamas Amtszeit stammt, wonach Kinder *nicht* mit ihren Eltern inhaftiert werden dürfen. Daher « mussten » nun Kinder von ihren Eltern getrennt werden.

    Es folgten Bilder, Berichte und Tonaufnahmen von einer unmenschlichen Behandlung der Asysuchenden, vor allem aufgrund der Trennung kleiner Kinder von ihren Eltern. Und nun also hat Trump gönnerisch eingelenkt : Die Familien dürfen wieder zusammenbleiben ! – Das Gesetz wird jedoch weiterhin strikt angewandt. Sprich : Die Kinder werden nun wieder gemeinsam mit ihren Eltern inhaftiert. Die Inhaftierung selbst sowie der Status sogenannter illegaler Asylsuchender, deren Vergehen lediglich darin besteht, dass sie die Grenze drei Meter entfernt von einem offiziellen, geschlossenen Zugangspunkt zu den USA überqueren, wird nicht in Frage gestellt.

    Und Trump bemüht sich auch nicht, die bereits von ihren Eltern getrennten 2300+ Kinder wieder mit ihren Familien zusammenzubringen. Ihr Schicksal möge weiterhin – der Abschreckung dienen.

    Die linken (« liberal ») Medien sowie die Demokraten sowie internationale Beobachter sind Trump erneut auf den Leim gegangen. Trump ist nicht dumm ; er ist gerissen und gefährlich, und er wird von vielen unterschätzt, was ihn noch gefährlicher macht.

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