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Bibis Kapriolen

Die Schüsse am Grenzzaun von Gaza, Bibis Kapriolen in Sachen Flüchtlinge und jetzt am kommenden Freitag die zu erwartenden neuen Unruhen bei der geplanten Demonstration der Palästinenser in Gaza. Es ist schon nicht ganz einfach, das diesjährige Pessachfest in Ruhe zu begehen.

Diesmal wollen die Palästinenser mit großen Spiegeln die israelischen Soldaten irritieren. Das Sonnenlicht soll es ihnen unmöglich machen zu schießen. Und sie wollen Reifen anzünden, damit der Rauch wie ein Vorhang sie vor den israelischen Scharfschützen schützt. Der israelische Verteidigungsminister Lieberman hat bereits angekündigt, man werde, trotz aller internationaler Proteste, weiter auf Härte setzen. Sollten die Palästinenser sich also dem Grenzzaun nähern wollen, so würde wieder scharf geschossen werden. Mehr Tote sind zu erwarten.

 

Hamas, der Grenzzaun und die Medien

Das schreibt sich so lapidar. Aber beide Seiten wissen, daß es wohl so kommen wird. Und beide Seiten nehmen das in Kauf. Für die Hamas ist das stets ein »Sieg« in den Medien, für die Israelis das Recht die eigenen Grenzen zu schützen. Darum verteidigen auch viele in Israel das Vorgehen der Armee. Soll man es zulassen, daß die Palästinenser den Zaun einreißen, daß sie zu Tausenden, ja, Zehntausenden ins Kernland Israel hineinströmen? Und wenn Ihnen das gelänge, was wäre denn dann? Hat sich die internationale Staatengemeinschaft mal darüber Gedanken gemacht – so wurde am Sederabend diskutiert.

 

Was sagt man in Israel?

Ich traf wenige Tage nach dem letzten Freitagsprotest in Gaza, israelische Freunde, Linke, die genauso redeten. Sie verabscheuen Netanyahu, sie hoffen, daß es bald eine andere Regierung gibt, aber wenn es um die Verteidigung der eigenen Grenze geht, dann ist alles erlaubt. Auch für sie. Es werden keine Fragen gestellt. Im Gegenteil. Einer sagte mir: »Was glaubst Du, was die Europäer machen würden, wenn Feinde des Landes einfallen würden? Sie mit Blumen und Süßigkeiten empfangen? Da gäbe es noch viel mehr Tote als bei uns.«

 

Israel und Europa

Und wieder hört man in Israel, wie sehr die Europäer Heuchler sind. Während nebenan in Syrien Zehntausende abgeschlachtet werden und man den Türken z.B. auch noch Waffen schickt, wird gegen Israel immer gleich viel aggressiver Stimmung gemacht, argumentieren viele. Nein, viele Israelis interessieren sich nicht, was die Europäer über sie denken. Für sie steht fest: Der Zaun zu Gaza wird nicht eingerissen. Unter keinen Umständen, koste es, was es wolle. Und ob die Armee vielleicht nicht andere Möglichkeiten hat, gegen diejenigen vorzugehen, die eventuell tatsächlich den Zaun einreißen wollen, diese Frage wird im Augenblick eher in den Medien gestellt als in der Bevölkerung. Doch sollte die Zahl der Toten steigen, sollte es am kommenden Freitag wieder palästinensische Todesopfer geben, so dürfte die Frage nach dem richtigen Vorgehen der Armee wohl allmählich lauter werden.

 

Richard C. Schneider, Tel Aviv

6 Gedanken zu „Bibis Kapriolen

  1. Hamas opfert gern Frauen und Kinder, wenn es darum geht in den Medien „David gegen Goliat“ zu spielen. Nachdem sich die Welt schon viel zu lange auf Syrien konzentrierte war es einfach an der Zeit, was krasses zu unternehmen. Was passieren wird, war von anfang an klar. UND: gewollt!

    1. Nun, es gibt ja bei Polizei und Grenzschutz Ausrüstungen gegen Massendemonstrationen. Die Frage ist eben, ob solche Schutzmaßnahmen nicht ausreichen würden.

      1. Ist es dafür aber jetzt nicht schon zu spät? Müsste man jetzt nicht auf Verhandlungen setzen? Ich meine, mir ist schon klar, dass es kein Rückkehrrecht für alle geben kann, wenn man möchte, dass danach noch der jüdische Staat Israel existiert. Aber müsste man nicht doch in irgendeiner Form versuchen, ins Gespräch kommen?

  2. Unter keinen Umständen habe der Zaun eingerissen zu werden. Das sagen auch israelische Linke. Mmmh. – Genau diese unterschiedlichen Messlatten hat kürzlich eine Freundin aus Nazareth vermerkt, das habe sie schon 2014 (Gaza) bemerkt. Die kognitive Dissonanz der sich links wähnenden ist einem Feindbild geschuldet, dass seit früh eingeübt wird. Nurit Peled Elhanan hat dazu eine sehr bemerkenswerte Analyse herausgebracht, die aber in Israel selber tunlichst ignoriert wird. Das spricht Bände in welcher Lage diese Gesellschaft sich befindet.

  3. Habe volles Verständnis. Man sieht ja was das ach so tolle EU Europa jetzt mit den Kurden veranstaltet. Erst dürfen die die Hauptlast bei der IS Bekämpfung tragen, jetzt schaut EU Europa inkl. der unsäglichen Merkel zu wie diese Kurden in Afrin und Umgebung vom Nato-Mitglied Türkei niedergemäht werden.

    Nein, wenn Israel nur auf das hören würde was aus der EU heraustönt, gäbe es Israel schon lange nicht mehr. Man muss pragmatische Vereinbarungen mit Ländern wie China und Indien eingehen und darf seinen Hauptverbündeten USA nicht verlieren. Ansonsten muss man auf seine eigene Stärke bauen: Klugheit, Recht, aber auch auf die IDF und die technische Überlegenheit.

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