AntisemitismusbeauftragterFelix Klein

Eine Antwort des Antisemitismusbeauftragten

Veröffentlicht

Nachdem ich vor einigen Minuten mein Blog über die Briefmarke gepostet habe, sah ich, daß ich von Herrn Klein eine Mail erhalten habe, in der er erklärt, daß er in dem Interview mißverstanden wurde, das ich gestern zitiert hatte. Er bat mich um Klarstellung. Selbstverständlich gebe ich dem Antisemitismusbeauftragten hier den Raum dazu, das gehört zur demokratischen Fairness einer Debatte. Und ich werde seine Worte hier auch nicht weiter kommentieren.

Hier also seine Mail an mich:

Sehr geehrter Herr Schneider,
nach der der Lektüre Ihres Beitrags, des Artikels von Martin Niewendick in der „Welt“ sowie einiger Reaktionen in den sozialen Medien auf mein Statement hinsichtlich des Anschlags auf die Synagoge in Kalifornien möchte ich Ihnen Folgendes übermitteln :

Meine Absicht war es, die komplexen Zusammenhänge antisemitischer Argumentationsketten zusammenzufassen. Die damit einhergehende Verkürzung hat Interpretationsspielräume eröffnet, die nicht beabsichtigt waren.

1. Ich erlebe in meiner Arbeit ständig, wie jüdische Deutsche für Handlungen der israelischen Regierung oder gar die Politik des amerikanischen Präsidenten verantwortlich gemacht werden. Mögliche Kritik an deren Politik wird von Antisemiten zur Legitimation ihres Hasses missbraucht. Daher ist es im Umgang mit solchen Argumentationen wichtig, die völlig fehlgeleitete Gleichsetzung Juden = Israels Regierung = Trump aufzulösen.
Die mir in den sozialen Medien  unterstellte Aussage, dass ich den amerikanischen Präsidenten Trump für ein verschärftes antisemitisches Klima in den USA verantwortlich machen wolle, weise ich in aller Deutlichkeit zurück. Ich mache ihn für ein verschärftes politisches und gesellschaftliches Klima verantwortlich. Dass auch Antisemiten darin ein erleichtertes Spiel suchen und finden, ist ein Nebeneffekt aber keine Kausalität.

2. Ein vereinfachter Zugang zu Waffen erhöht die Gefahr, dass diese für Gewaltverbrechen missbraucht werden. Das liegt auf der Hand. Folglich sind alle potentiellen Opfer von Hass – auch Jüdinnen und Juden – dadurch, dass sich dieser Hass in Waffengewalt Bahn bricht,‎ in  größerer Gefahr.

3. Angesichts eines weltpolitisch nicht immer ausgewogenen Verhaltens gegenüber Israel (z.B. UN-Abstimmungsverhalten, Umgang mit der Hisbollah) kann ich nachvollziehen , dass viele deutsche Jüdinnen und Juden die Politik des amerikanischen Präsidenten zumindest in diesem Bereich begrüßen. Dass die Bundesregierung und andere Staaten teilweise eine andere Einschätzung haben, ist indes ein Faktum.

4. Die Interpretation,  ich hätte Juden oder jüdischen Organisationen in Deutschland empfohlen,  sich von der Politik der amerikanischen Regierung zu ‎distanzieren oder ihnen sonstige Handlungsempfehlungen gegeben, um keinen weiteren Antisemitismus auszulösen, weise ich ebenfalls zurück.
Selbstverständlich müssen alle Maßnahmen im Kampf gegen Antisemitismus  in der Gesamtgesellschaft und insbesondere bei  potentiellen und tatsächlichen Antisemiten ansetzen und nicht bei der Bewertung von Handlungen jüdischer Organisationen und Privatpersonen.

Ich wäre dankbar, wenn Sie in Ihrem Blog auf diese Klarstellung eingehen könnten. Ich habe bei der „Welt“ darum gebeten, einen Gastbeitrag hierzu zu schreiben, um meine Meinung differenziert darzulegen.

Beste Grüße Felix Klein

3 Gedanken zu „Eine Antwort des Antisemitismusbeauftragten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.