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Frage aus Europa: kippt Deutschland?

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Im Augenblick zu bloggen ist ja nicht so einfach. Man schreibt, ist fertig, will’s ins Netz stellen – und schon hat die Realität einen längst überholt. Nun wollte ich vor ein paar Tagen über Thüringen schreiben, da wurden immer neue Details über die Absprachen bekannt. Dann wollte ich über Israel schreiben – und schon macht der US-Botschafter Friedman, der noch vor zwei Wochen Israel riet, sofort die besetzten Gebiete zu annektieren, eine totale Umkehr und warnt Bibi vor einseitigen Aktionen, die von den USA nicht akzeptiert werden.

Bombenexplosion

Und nachdem ich mir gestern die Krawallseifenoper in „Anne Will“ angesehen hatte, mit einer ewig grinsenden Frau Weidel, wollte ich in die Tasten hauen – um dann heute morgen schon wieder die nächste Bombe explodieren zu sehen. Nein, nicht vor meiner Haustür in Tel Aviv, sondern in Berlin. akk und so weiter, Sie wissen schon.

Kippt Deutschland?

Was könnte ich jetzt also schreiben, was nicht alle Kollegen auf allen Webseiten der großen Zeitungen schon geschrieben hätten? Vielleicht das: Ich erhielt heute Anrufe von Kolleginnen und Kollegen aus Frankreich, England und Italien, die mich völlig entsetzt fragten, was das jetzt eigentlich für die EU bedeutet, wenn Deutschland kippt. Ja, „kippt“. Denn viele sehen das so, befürchten das. Auch ich mache mir natürlich Sorgen, daß in Deutschland endgültig die Zeit der „Volksparteien“ vorbei ist. Die SPD ist schon lange keine mehr, die CDU (ich schreibe bewußt nur CDU, nicht CSU – in Bayern ist das ja anders) droht ein Abdriften, ein Verlust von Konstanz und Mitte. Egal, wer der neue „Chef“ werden sollte. Mit einem Merz oder einem Laschet oder Spahn wäre das wohl nicht anders. Klar, ich habe meine Präferenzen, wen ich mir an der Spitze der CDU wünschen würde, aber darum geht es überhaupt nicht. Es geht um die innere Zerrissenheit der Partei, die weder mit einem Profil klar in Richtung rechts noch in Richtung „sozialdemokratisch“ aufzuhalten wäre. Die Ostteile der Partei haben sich ja nicht erst seit letzter Woche immer wieder in Richtung rechtsaußen bewegt (siehe auch heutigen Kommentar in der SZ, wirklich gut und präzise!).

Als eingefleischter Europäer (ich weiß – heute bereits ein Schimpfwort) frage ich mich, was denn werden soll, wenn in Deutschland ebenso unsichere Verhältnisse herrschen sollten wie in anderen europäischen Ländern? Wer führt dann die EU? Macron etwa?

Israelisches Chaos. Deutsches Chaos

Da sitze ich also nun im Nahen Osten und mache mir Sorgen um Europa. Das hätte mir mal jemand vor zehn, zwanzig Jahren erzählen sollen, daß man in der verrücktesten Region der Welt hockt und sich mehr Sorgen um Europa macht als um die Situation hier (die trotzdem gruselig ist, klar).

Als Beobachter, nicht als Berichterstatter, ist man einigermaßen sprachlos über das Chaos in Berlin. Mir soll jetzt bloß nochmal ein deutscher Bekannter oder Kollege etwas über das politische Chaos in Israel mit dem Ton der Entrüstung oder Überlegenheit sagen. Da kann ich jetzt wirklich nur noch lachen. Im Unterschied zu Deutschland, haben die Menschen hier wenigstens gelernt, mit diesem Chaos irgendwie klarzukommen. Kann das die deutsche Gesellschaft auch? Die Bundesrepublik wird sich jetzt vielleicht mal so richtig entscheiden müssen, was sie eigentlich sein will. Und das in Zeiten, in denen die Wirtschaft – noch – blüht. Stellen Sie sich mal vor, was heute los wäre, wenn gleichzeitig zum aktuellen Chaos Rezession und Arbeitslosigkeit hinzukämen. Schüttelt es Sie auch bei diesem Gedanken?

Der Reichstag brennt nicht, aber…

Nun ja, die Herrschaften in Thüringen können ja so richtig stolz auf sich sein. Alle miteinander. Sie zündeln. Nein, sie haben bereits einen Brand gelegt. Noch brennt der „Reichstag“ nicht. Und viele werden gleich wieder sagen: Hey, Berlin ist nicht Weimar. Nee, ist es nicht. Aber Geschichte wiederholt sich nie identisch. Was man aber an der Geschichte von Weimar sehen kann: wie schnell man eine Demokratie aus den Angeln heben kann. Ach ja, die Bundesrepublik ist eine viel stabilere Demokratie als Weimar damals? Im direkten Vergleich stimmt das wohl. Aber im Vergleich zur Bundesrepublik vor fünf oder zehn oder gar 30 Jahren? Wer sich immer wieder darauf beruft, daß die Demokratie heute stabil und sicher ist, der übersieht möglicherweise, wie sie vor unseren Augen allmählich ausgehöhlt wird. Spätestens seit letzter Woche sollten bei allen die Alarmglocken losgegangen sein. Man kann gar nicht „wehrhaft“ genug sein, die Demokratie verteidigen zu wollen, selbst wenn sie angeblich so wahnsinnig stabil ist, wie uns das viele glauben machen wollen. Die spontanen Demonstrationen der Menschen überall in Deutschland letzte Woche, waren ein gutes Signal. Aber machen wir uns nichts vor: Es waren zu wenige auf den Straßen. Viel zu wenige. Es gibt noch viel zu tun. Sehr viel.

Ein Gedanke zu „Frage aus Europa: kippt Deutschland?

  1. Vielleicht wäre es aber auch gar nicht so schlecht, wenn die Union wieder mehr nach rechts rückt, natürlich nicht zu extrem. Dann könnte sie möglicherweise wieder die Wähler zurück gewinnen, die ihr in Richtung AfD abhanden gekommen sind. Schließlich war die CDU/CSU noch vor Amtsantritt von Merkel deutlich weiter rechts positioniert. Und wenn es einer wieder zu ihren Ursprüngen zurückgefundenen Union gelänge die AfD an die Wand zu drängen könnte das einem ja mehr als recht sein. Dabei würde die CDU/CSU zwar nicht sympathischer, aber immerhin wäre das das geringere Übel. Und wenn dann die AfD ihr wahres hässliches Gesicht zeigt, kann man ihre Reste ja immer noch verbieten. Mal abwarten, wie es kommt….

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