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Gehn mir halt a bisserl unter

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Wenn man sich die Geschehnisse in Berlin und Erfurt aus der Ferne anschaut, hat man das Gefühl, man sähe einer spannenden Polit-Serie auf Netflix zu. Nein, es hat nicht die Qualität von „House of Cards“, dazu ist die deutsche Politszene dann doch zu provinziell im Vergleich zu Washington, insbesondere in Erfurt (Erfoort? Where’s Erfoort?). Aber die Figuren, die nun allenthalben mitmischen, sich beäugen, belauern, möglicherweise auch nicht ausstehen können, die kommen da schon locker mit. Wer ist also „unser“ Frank Underwood? Und wer intrigiert am besten?

Und wenn man sich dieses Absurdistan von Tel Aviv aus anschaut, dann fragt man sich, ob gerade alle israelischen Politiker kollektiv nach Berlin und Erfurt umgezogen sind und dort einfach weitermachen wie immer – nur daß sie auf wundersame Weise plötzlich alle Deutsch können.

Und was ist eigentlich in der deutschen Öffentlichkeit los? Wenn ich alles richtig mitbekomme, dann haben sich die Demonstrationen gegen die Politik schon etwas verringert. Ich hoffe, ich habe Unrecht. Oder doch nicht? Tritt auch in Deutschland – schon?!? – ein Ermüdungsprozess ein, so wie in Israel, wo die Menschen die Politik und ihre Protagonisten sowas von satt haben?

Ich muss auch ein wenig schmunzeln über das Gerede des vorzeitigen Abschieds von Bundeskanzlerin Merkel. Das, so glaube ich, ist das Allerletzte, was geschehen wird. Darauf kann niemand hoffen (wollen?) Warum sollte sie auch gehen? Wenn sie sich so ansieht, was da so nachdrängt, dann wird sie das nicht überzeugen. Merz will sie gewiß nicht, die anderen – nun ja… da wird sie sich das eine oder andere schon auch denken und eher durchhalten wollen als das Schicksal Deutschlands in Hände legen, die ihr nicht genehm sind.

Interessant ist, daß Merkel bei den Deutschen immer noch extrem beliebt ist. Wahrscheinlich würde die CDU in ihrem jetzigen Zustand wieder gewinnen, wenn die Partei Merkel anflehen würde, nochmal zu kandidieren und auch den Vorstand wieder zu übernehmen.

So aber: das Grauen in Berlin. In Israel dümpelt ein stinklangweiliger Wahlkampf vor sich hin, in den USA zerlegt sich die Demokratische Partei, während Trump damit beschäftigt ist, das politische System der USA aus den Angeln zu heben.

Von dem österreichischen Schriftsteller Jura Soyfer, der von den Nazis umgebracht wurde, gibt es ein nettes Theaterstück, das „Der Weltuntergang“ heißt. Und darin gibt es ein Couplet mit dem Titel „Gehn mir halt a bisserl unter“…. Ich summe dieser Tage die Melodie dieses Lieders immer wieder vor mich hin.

Denn wenn man die Welt mit einem wienerischen Akzent besingt, dann ist alles etwas weniger dramatisch, a bisserl deppert, aber net so schlimm…

Man kann aber auch nochmal Christopher Clarks „Schlafwandler“ lesen. Da wird dann einem so richtig schlecht, wenn man die Entwicklungen zum Ersten Weltkrieg mit dem Heute so vergleicht.

 

 

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