AntisemitismusMünchen

Münchner Antisemitismus

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Nein, ich bin wahrhaft nicht naiv, daher kann mich der Münchner Antisemitismus nicht wirklich überraschen. Ich bin in dieser Stadt aufgewachsen und habe bereits als kleiner Junge erleben müssen, was es heißt, von Antisemiten angegriffen zu werden. Ich war damals sieben Jahre alt, in der Trambahn, mit einem Davidstern um den Hals, und zwei besoffene Männer griffen mich an, weil ich ein „Judenbengel“ sei. Die Tram war voll. Niemand half mir. Niemand. Spätestens damals hatte ich begriffen, daß ich mich auf meine Umwelt nie verlassen kann. Auf einzelne nichtjüdische Freunde schon. Aber mit der Solidarität der Mehrheitsgesellschaft durfte ich nicht rechnen. Habe ich auch nie. Und ich habe in meinem inzwischen zum Glück langen Leben meistens Recht behalten mit dieser Haltung.

Münchner Antisemitismus – „angefasst“

Antisemitismus ist in Europa inzwischen wieder „normal“. Mein nächstes Buch, das 2020 erscheinen wird, beschäftigt sich mit diesem Thema. Ich weiß vieles, lese noch mehr dazu, führe Gespräche überall in Europa. Ich bin informiert. Warum hat mich jetzt der Münchner Antisemitismus trotzdem so „angefasst“?

Was geschehen ist: Auf der Münchner Hohenzollernstraße in „meinem“ Stadtteil Schwabing wurde ein Rabbiner mit seinen beiden Söhnen auf dem Weg von der Synagoge, „meiner“ Synagoge in Schwabing, von einem Mann auf der Straße und einer Frau in einem Auto antisemitisch angepöbelt und bespuckt.

Haben Münchner zugeschaut?

Wie gesagt: das gehört inzwischen zur deutschen und europäischen „Normalität“, in Berlin, Paris, London, Brüssel, wo auch immer. Aber jetzt, in m e i n e m Schwabing, auf offener Straße, in einer Straße, in der ich hunderttausendfach herumlief, auch noch vor ein paar Wochen, als ich in München war, wo ich einkaufe und Kaffee trinke, wo ich parke, um bei Lehmkuhl um die Ecke Bücher zu kaufen (ja, ich mache noch sowas altmodisches…). Da wird also ein „kenntlicher“ Jude auf offener Straße angepöbelt. Standen Menschen drumherum? Schwabinger? Ich weiß es nicht. Haben sie eingegriffen? Wenn welche da waren, dann sicher nicht, das wäre in den Berichten vermerkt worden. Haben Münchner zugeschaut, was da passiert? Haben sie sich gedacht: Ja, gut so?

Ich erinnere mich noch gut, wie ich mit meinen Eltern als Kind am Abend von Rosch Haschanah nach dem Ende des Gottesdienstes aus der Synagoge in der Reichenbachstraße herauskam. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite stand stets eine kleine Gruppe Deutscher, die uns anstarrte. Warum? Wollten sie einfach nur „Juden gucken“? Oder dachten sie sich: „Mist, daß der Adolf die vergessen hat“?

Haben Münchner vor wenigen Tagen ebenso geschaut oder gedacht? Und nicht eingegriffen, wie bei mir damals in der Tram oder in vielen Hunderten anderen Situationen?

Verbundenheit

München, Deutschland, Europa haben sich verändert. Ich lebe heute in Tel Aviv und schaue deswegen aber nicht mit Erleichterung auf meine Heimatstadt, bin nicht einfach nur „froh“, daß ich so etwas nicht erleben muß hier in Tel Aviv. Die Verbundenheit läßt sich ja nicht auflösen, nur weil man inzwischen woanders lebt. Ich spreche mit jüdischen Freunden in München, die sich große Sorgen machen. Ich spreche allerdings auch mit nichtjüdischen Freunden, von denen viele keine Ahnung hatten, was da geschehen ist, obwohl es doch in den Zeitungen stand. Warum wissen sie nicht davon? Ist es unsere jüdische „selektive“ Wahrnehmung? Ist es Ignoranz, Unaufmerksamkeit, Gleichgültigkeit? Ich weiß es nicht. Meine nichtjüdischen Freunde sind anständige Menschen, denen es absolut egal ist, daß ich Jude bin. Sie sind über jeden Zweifel erhaben und doch wissen einigen von ihnen nicht Bescheid über das, was da in München geschieht. Täglich, übrigens, nicht nur in diesem einen Fall.

Man muss es nur wissen

Die Solidaritätsbekundungen der Politiker und Kirchen sind schön. Aber sie werden nichts bewirken. Es gab mal Lichterketten gegen Rassismus. Ich war skeptisch damals, habe das nur für „Schminke“ gehalten, damit sich einige Menschen gut fühlen können, scheinbar etwas getan zu haben gegen das dunkle Deutschland. Für Juden würde man wohl nicht einmal mehr eine Lichterkette zustande bringen. Nicht in München, nicht in Berlin. Als in Berlin die Aktion „Berlin trägt Kippa“ ausgerufen wurde, kamen gerade mal 2000 Menschen, viele von ihnen waren Juden. Also: was soll‘s? Man kann sich auf die Mehrheitsgesellschaft nicht verlassen. Nirgends in Europa. Ist aber nicht schlimm. Man muß es nur wissen. That‘s all

18 Gedanken zu „Münchner Antisemitismus

  1. Aber verleiht die mediale Aufmerksamkeit, die solche verbalen Entgleisungen zur Zeit erhalten, ihnen nicht mehr Bedeutung, als sie tatsächlich verdienen? Gerade die Bayern sind ja bekannt dafür, dass sie Andersdenkende schnell mal als „Sau“ verunglimpfen ( Ich weiß das auch nur, weil ich mal einen bayrischen Kollegen hatte. Selbst länger in Bayern gewohnt habe ich nie. War mir immer etwas zu konservativ, um es mal vorsichtig auszudrücken…) Da wäre etwa die preußische Sau oder die rote Sau. Aber braucht man dafür gleich einen Anti-Preußen-Beauftragten oder einen Anit-SPD- Beauftragten? Oder wäre es nicht besser sich einfach zu denken, dass das pöbelnde Gegenüber wohl selbst Probleme hat, und deshalb schlecht gelaunt ist?

  2. Zu den prügelnden Besoffenen: Ich denke, ihre Annahme, dass ihnen niemand geholfen hat, weil sie ein jüdisches Kind waren, stimmt so vermutlich nicht. Natürlich ist es schon etliche Jahrzehnte her und in Bayern gehen ja die Uhren bekanntlich rückwärts. Wie die Lage damals in Bayern war, kann ich nicht mit Gewissheit sagen. Aber eine viel einfachere Erklärung wäre meines Erachtens, dass die Leute, die sich damals in der Tram befanden einfach Angst hatten, auch von diesen besoffenen Typen verprügelt zu werden, falls sie intervenieren. Und das ist ja auch etliche Jahre später in München tatsächlich passiert. Wie der Fall von Dominik Brunner zeigt, der vier Jugendliche schützen wollte, die von zwei Erwachsenen angegriffen wurden. Seinen Einsatz hat er mit dem Leben bezahlt. Aus aktuellem Anlass hatte Ranga Yoheshwar damals bei Quarks & Co gezeigt, wie man sich verhalten soll, wenn man Zeuge eines solchen Angriffs wird: Man soll sich viele Verbündete unter den Umstehenden zusammen suchen und diese sollen dann gemeinsam den oder die Angreifer von ihrem Vorhaben abbringen. In wieweit das in der Praxis klappt, weiß sich jedoch auch nicht. Vor allem braucht man sicher ein paar kräftige Männer, die dazu bereit sind sich einzumischen. Jedenfalls hat Ranga definitiv davor gewarnt, sich als Einzelner einzumischen. Denn das geht dann unter Umständen schnell schief.

    Und auch die Attacke persönlich zu nehmen, ist sicher nicht richtig. Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Angreifer nur nach irgend einem Anlass gesucht haben, ihre Aggressionen los zu werden. Leider hatten sie das Pech, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Aber es ist gut möglich, dass sie sich, wenn sie nicht in dieser Tram gesessen hätten, ein anderes, völlig beliebiges Opfer ausgesucht hätten. Oder sie hätten zu Hause ihre Frau verprügelt, wenn sie denn eine hatten. Vielleicht ist es besser solche Typen als Naturkatastrophe zu betrachten. In dem Zustand, in dem sie sich befinden ist ihr Verstand ja eh fast ausgeschaltet und dann ist der Mensch ja bekanntlich schlimmer als jedes Tier.

  3. Ich habe Ihren Eintrag mit Interesse und Wehmut gelesen. Ich selbst, das vorweg, bin nicht religiös und wenn dann eher auf einem christlichen Hintergrund. Die tägliche unterschwellig und erfahrene Drohung und Gewalt gegen Juden,welche Sie beschreiben, unglaublich. Umso eher war ich „befreit“ als ich vor einem Jahr in Paris, ich glaube es war am Place des Vosges, mittags saß um zu essen. Eine, eindeutig als traditionell jüdisch erkennbare, Familie geht über den Platz. Plötzlich rappelt sich ein Säufer von seiner Parkbank hoch geht zu dem Vater der Familie und sagt ihm irgend was, was ich nicht hören konnte. Der untersetze Familienvater dreht sich um und gibt dem Trunkenbold ein schallende Ohrfeige die über den ganzen Platz zu hören war. Der Trunkenbold klappt zusammen und fällt auf das Pflaster. Der Familienvater geht zu ihm, beugt sich um zu sehen dass er nicht wirklich verletz war, geht dann zurück zu seiner Familie und verlässt die Szene.
    Meine Reaktion darauf war: Genau richtig! NIEMAND muss sich Unverschämtheiten gefallen lassen. NIEMAND.
    Es gab dann noch einen Disput mit meiner Frau. Man dürfe doch nicht mit Gewalt antworten.
    Ich selber weiß es nicht für mich (ich glaube ich hätte mich im Nachhinein beglückwünscht so direkt zu reagieren). Ich erinnere mich in diesem Kontext an Hendryk M. Broder, der sinngemäß sagt: Es gibt Fragen, Aussagen, Pöbeleien gegen über Juden, die sind so plump, denen kann man nicht mehr höflich etwas entgegen setzen. Ich weiß es nicht. Dies soll kein Aufruf zu Gewalt sein. Aber ich habe diese Situation als befreiend erlebt.

    1. Lieber Herr Boehm
      Es ist der christliche Hintergrund, der in den vergangenen 2000 Jahren die allgemeine antijüdische Haltung in der christlichen Welt provoziert hat, indem sie uns als Christusmörder bezeichnet hat. Nur ein radikales Umdenken mit entsprechenden Veränderungen im Religionsunterricht der Schulen und Sonntagsschulen Unterricht der Kirchen könnte Abhilfe schaffen. Nostra Aetate war eigentlich nur ein Lippenbekenntnis. Atheist bin ich in einer christlichen Umwelt in Frankfurt geworden. Damit gehöre ich zu den 95% der Wissenschaftler in den USA, wo ich seit 40 Jahren lebe.

  4. Dass Du vollkommen Recht hast, zeigt der Alltag. Nichts ist “ aufgearbeitet“, es gibt in Deutschland / Österreich zwei Familienstellungen: Die Historie der Opfer und die der Täter, dazwischen nichts!
    Der verwurzelte, historische Antisemitismus erinnert mich an einen Herpes- Virus, man deckelt ihn, aber latent stets vorhanden. Gibt man ihm den gesellschaftlichen Freiraum, reaktiviert er sich sofort.

  5. Hm… Situation: Aggressiver Mensch greift in der Öffentlichkeit ein Mitglied irgendeiner Gruppe (Jude, Schwarzer, Frau mit Kopftuch, Schwuler, …) an, Passanten greifen nicht ein. Kann man daraus wirklich folgern, dass die Mehrheitsgesellschaft eben antisemitisch, rassistisch, islamophob, homophob etc. ist?

  6. Lieber Herr Schneider eine sehr gute Anslyse der Situation. Ich habe schon vor 10 Jahren gesagt das der Antisemitismus langsam in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Es wird noch schlimmer kommen wir werden sehen nach den Wahlen in den neuen Bundeslöbdetb die AFD die stärkste Partei hier in Berlin hat der Rabbiner Teichtsl von chabad gesagt. Widerstehen sich zeigen nicht verstecken und auch Kippa tragen. Nie Nie wieder Faschismus unsere Toten mahnen uns kämpfen gegen diese Pest die immer wieder kommt. Liebe Grüße

  7. Lieber Herr Schneider, ich bin sehr betroffen, obwohl ich sehr wohl seit Jahren um die Problematik und die Abschäulichkeiten,muss man leider mittlerweile sagen,weiss. Ich lebe in einer katholischen Gemeinde und wir haben seit Jahren intensive Kontakte zu jüdischen Israelis.leider ist auch das kein Trost . Danke sehr für ihren Blog

  8. Ja, es ist traurig was hier bei uns geschieht . Aber in der Tat ist es wichtig zu wissen, auf wen man sich verlassen kann. In der Welt, in Europa und in Deutschland, überall wird wieder gezündelt. Der Ruf nach einem starken Mann ertönt aus allen Ländern. Die Zeichen stehen leider auf Sturm. Die Frage lautet wohl bald: wie geht die Welt schneller zu Grunde: durch neue Kriege oder durch die Klimakatastrophen.

  9. Zunächst drei persönliche Erfahrungen: 1. Mein befreundeter israelischer Kollege (Jahrgang 1949) berichtet mir, dass als er vor 40 Jahren zur Weiterbildung nach Deutschland ging, sein Vater, ein Überlebender der Shoa, ihn mit den Worten abzuhalten versuchte, dass in Deutschland wieder die Häuser brennen. Was war geschehen? Die Polizei räumte nach monatelangen Verhandlungen besetzte Häuser in der Hamburger Hafenstraße. 2. Meine jüngste Tochter absolvierte 2018 einen Teil ihres Medizinstudiums in Tel Aviv und wurde von ihrem Chef, einem international renommierten Kinderkardiochirurgen gefragt, wie sie es als blonde junge Frau in Deutschland angesichts der ständigen sexuellen Übergriffe von Migranten aushalten würde(!) Solches ist meiner Tochter, Gott sei’s gedankt, niemals passiert. 3. Mein politisch sehr interessierter Freund, dem ich begeistert von meinen Israel Reisen berichtete, sagte mir, dass er Probleme habe in ein so gefährliches Land zu fahren. Was haben diese Erlebnisse gemeinsam? Sie belegen, dass die medial induzierte Aussensicht nicht deckungsgleich mit der eigentlichen Realität ist, um es vorsichtig zu formulieren. Gestatten Sie mir noch zwei Gedanken: 1. Der Politikwissenschaftler Thomas Bierbricher hat in der „Zeit“ vom 11.7.2019 über den Konservativismus gesagt, dass dessen Tragik darin bestehe, nicht das Bestehende, sondern das Vergehende zu bewahren. Dies lässt sich m. E. auch gut auf weiter rechts stehende Positionen ausdehnen. Sie verschaffen sich deshalb so laut Gehör, inklusive brutaler Gewalttaten (Oslo, Neuseeland, NSU, El Paso etc.), weil Ihr Weltbild in Bezug z. B. auf Heimat, Familie und Nation langfristig nicht mehr mehrheitsfähig ist. Ein tröstlicher Gedanke, dass der protestantisch weisse Rassismus eines Donald Trump, die aggressiv-konservative imperiale Rhetorik eines Boris Johnson oder die tumbe völkische Programmatik einer AfD mittel bis langfristig auf verlorenem Posten stehen (Ich weiss, ich bin ein Optimist). 2. Für Israel hätte ich einen Gedanken, der vielen völlig absurd vorkommen mag, der aber bereits vor Jahren in der „Zeit“ ventiliert wurde. Warum sollte die Politik es nicht den Sportverbänden gleichtun und sich in die Europäische Union integrieren. Für den „westlichen“ Staat im nahen Osten hätte das einen zusätzlichen Gewinn an Sicherheit, trotz der berechtigten Kritik an der Außenpolitik der EU. Jüdische Mitbürger hätten in Israel einen starken Fürsprecher und – last but not least – auch der Palästinenserkonflikt könnte sich lösen lassen, denn ein israelisch-europäischer Pass würde bei den arabischen Israelis und Palästinensern das Bedürfnis nach einem eigenen Staat reduzieren. Völlig absurder Gedanke? Frei nach Theodor Herzl: wenn man es wirklich will, muss es kein Traum bleiben.

  10. Ich kann dieses dumme pöbelnde Pack nicht mehr ertragen. Ich selbst habe in Jerusalem als Lehrer gearbeitet, in Bethelehem gewohnt und viele Freunde auf beiden Seiten. Jeder sagt mir lasst uns einfach in Frieden leben. In Dtl. haben einige wohl immer noch nichts begriffen. Fridays for free religion!

  11. Lieber Richard C. Schneider,
    – wir kennen uns, vielleicht erinnern Sie sich. Ich wollte nur sagen, auf Ihr Resümee: doch, es ist schlimm. Auch für Nicht-Juden. mindestens eine Generation, nämlich die der geburtenstarken Jahrgänge ist vollkommen ratlos, wie es jemals wieder möglich sein konnte, dass ein Antisemitismus so offen zelebriert werden darf und kann. Und vielleicht gerade für „uns“ Münchener, die wir das Glück hatten, in toleranteren Zeiten aufzuwachsen, ist der Wandel nicht zu fassen. Antisemitismus gab es immer und war immer vorhanden. Aber viele Menschen meiner/unserer Generation haben es anders erleben können. Für uns spielte weder die Hautfarbe eine Rolle, noch die Religionszugehörigkeit. Sogar bei meinem eigenen Patenonkel, Ivan Nagel, der Intendant, ist mir erst nach dessen Tod vor ein paar Jahren bewusst geworden, dass er Jude war. Ungarischer Jude. – Es spielte keine Rolle, ob jemand Christ, Jude, Muslim oder sonst was war. – Wie es geschehen konnte, dass sich diese alten Fratzen des Judenhasses wieder als alltagstauglich und legitim installieren konnten, weiß ich nicht. Aber es leiden nicht nur Juden darunter, auch wenn sie angegriffen werden. Wir alle, die wir in dem Traum von einer offenen, freien Gesellschaft beheimatet waren, leiden darunter. Und wir alle müssen uns zusammen tun, dass das Schlimmste verhindert werden kann. Angefangen bei AfD und den anderen rechtsradikalen Parteien Europas.

  12. Lieber Herr Schneider,Ihr Beitrag hat mich in seiner verständlichen Bitterkeit sehr getroffen.Vor allem Ihr Hinweis auf die fehlende Sensibilität gegenüber antisemitischen Äußerungen und Angriffen,die dazu führt ,daß kein Widerstand gegen sie geleistet wird.Damit Menschen hier überhaupt Widerstand leisten können,brauchen sie aber die emotionale,soziale und intellektuelle/geistige Nähe zu den Angegriffenen,die sich nur über einen intensiven Prozeß des Kennenlernens bilden kann.Weder in Elternhäusern,Kindergärten,Schulen oder Universitäten sind dazu die notwendigen Voraussetzungen gegeben.Umso mehr muß sich jede(r) Einzelne mit der Frage beschäftigen,wie er /sie mit dem Wissen über die Shoah und ihre Folgen leben und ein Bewußtsein schaffen kann,das ihre Wiederholung verhindert und ein gutes Zusammenleben, in gegenseitigem Respekt und Freundschaft möglich macht.

  13. Lieber Richard , anbei eine sehr interessante Studie zum Antisemitismus in Deutschland. Sie zeigt, dass völlig falsch ist sich fast nur auf den Antisemitismus von rechts zu konzentrieren. Die Wahrheit liegt diesmal nicht in der Mitte, sondern viel weiter links davon. Bei der Abstimmung über den Antrag der FDP der BDS die Unterstützung zu entziehen, stimmte lediglich die AFD dafür. Alle anderen Parteien stimmten dagegen . Soviel zur Staatsräson von Israel und Leuten wie Herrn Maas, der angeblich wegen Ausschwitz in die Politik gegangen ist. Interessant die Tabelle 15 in dem Bericht, die sehr deutlich zeigt, wo sich in Deutschland die überwiegende Zahl der Antisemiten befindet.
    https://uni-bielefeld.de/ikg/daten/JuPe_Bericht_April2017.pdf

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