Benjamin Netanyahu

Omar, Tlaib und Israel – eine Farce

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Was sich derzeit um Ilhan Omar, Rashida Tlaib und Israel entspinnt, ist eine Farce erste Ranges. Neben AOC, Alexandria Ocasio-Cortez, sind die beiden oben genannten Damen die neuen Superstars der amerikanischen Demokraten im US-Kongress. Alle drei sind Neulinge im Politgeschäft auf Capitol Hill, aber mit ihrer ungewöhnlichen, zum Teil erfrischenden Art, haben sie schnell die Aufmerksamkeit der Medien erreicht. AOC hat auf Twitter bereits über 5 Millionen Follower, Ilhan Omar knapp anderthalb Millionen, Tlaib eine dreiviertel Million. Omar und Tlaib sind beide Musliminnen, die ersten im US-Kongress. Und sie sind sehr deutlich in ihren Aussagen über Israel. Nein, daß sie sich kritisch äußern zur israelischen Politik ist nicht das Besondere, obwohl das in der krassen Form, in der sie die Kritik äußern selbst für die Demokraten mehr als ungewöhnlich ist.

Antisemitische Äußerungen

Aber Tlaib und vor allem Ilhan Omar haben in der Vergangenheit bereits mehrfach antisemitische Äußerungen gemacht, für die sie sich mehrfach entschuldigen mußte. Und beide machen Aussagen über Israel, die häufig verzerrt und falsch sind oder gar unwahr. Was ihre Kritik an Israel, die ja nicht unberechtigt ist, im Grunde aus den Angeln hebt. Sie unterstützen übrigens auch die BDS-Bewegung, die in großen Teilen eben auch antisemitisch ist.

Nun, so weit so gut oder auch nicht. Nun wollen beide Kongressfrauen nach Israel und in die palästinensischen Gebiete reisen. Und Israel als „einzige Demokratie des Nahen Ostens“ hat zunächst gut daran getan, zu sagen: welcome, beide Politikerinnen können selbstverständlich kommen.

Der größte Zionist muß sich die Augen reiben

Heute aber – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt während ich diese Zeilen schreibe – wird plötzlich bekannt, daß Netanyahu sich überlegt, Omar und Tlaib nicht reinzulassen oder doch  reinzulassen und ihnen dann aber nur die Möglichkeit zu geben, in den palästinensischen Gebieten herumzureisen. Man wolle aber „wohlwollend prüfen“, ob Tlaib ihre Familie in einem  palästinensischen Dorf, das von Israel kontrolliert wird, besuchen darf.

Sorry, aber selbst der größte Zionist muß sich da die Augen reiben. Wie kurzsichtig, dumm, absurd wäre das denn – wenn es denn so kommen sollte? Eine Einreiseverweigerung wäre natürlich ein unglaublicher Affront gegenüber dem US-Kongress, dem besten Verbündeten Israels, es würde die Tatsache, daß Israel inzwischen leider keine „bi-partisan issue“ mehr ist in den USA, noch weiter festschreiben. Die Politikerinnen aber nur in den palästinensischen Gebieten herumreisen zu lassen, wäre mindestens ebenso töricht. Denn so würden sie ausschließlich die palästinensische Seite sehen, deren Argumente und Ansichten hören, aber nicht die israelischen.

Keine große „Gefahr“

Ursprünglich hat der israelische Botschafter in den USA, Ron Dermer, ein Buddy Bibis und seeeehr Republikaner-nah, mit gutem Grund gesagt, daß beide Frauen in Israel willkommen seien. Man würde keine große Sache daraus machen, sie würden kommen, natürlich auch weiterhin ihre Kritik äußern, Antisemitisches von sich geben and that‘s it. Gerade eben waren 41 Kongressabgeordnete beider Parteien in Israel, diese beiden Frauen wären nun wahrlich keine große „Gefahr“ für Israel, wenn man‘s denn schon so sehen will.

Aber so? Die Medien stürzen sich auf dieses Thema, Israel macht sich lächerlich. Und nun endlich kommt noch US-Präsident Trump ins Spiel, der vor wenigen Minuten tweetete:

„It would show great weakness if Israel allowed Rep. Omar and Rep. Tlaib to visit. They hate Israel & all Jewish people, & there is nothing that can be said or done to change their minds. Minnesota and Michigan will have a hard time putting them back in office. They are a disgrace!“

Nun – in den USA ist schon Wahlkampf und Trump, der übrigens gegen alle drei Frauen, die – wie man in den USA sagt – „of color“ sind, rassistische Äußerungen abgelassen hat, hat nun ein neues Thema gefunden, um für sich zu punkten (glaubt er…)

Propaganda-Krieg verloren?

Natürlich bringt er Bibi so auch in Zugzwang, der braucht den US-Präsidenten mehr denn je, denn – auch in Israel ist Wahlkampf, es wird ja am 17. September wieder an die Wahlurnen gegangen.

Am Wochenende sollen die beiden Frauen kommen – oder eben nicht. Noch ist nicht klar, was geschehen wird. Aber eines ist jetzt schon sicher: Israel hat mal wieder den Propaganda-Krieg mit der dem Land eigenen „nonchalanten“ Weise verloren. Es zeigt, wie dumm, wie absurd inzwischen das Denken der erratischen Politik in Jerusalem geworden ist.

Oder aber – denn so kann man es auch sehen: Es spielt keine Rolle mehr. Denn die Welt hat sich verändert, die Palästinenser haben eh schon längst verloren (und sind auch ziemlich dumm in ihrer Propaganda-Arbeit), also was soll‘s, man kann einfach so weitermachen, Israel ist längst in jeder Hinsicht eine feste Größe, an der niemand mehr vorbeikommt. Nicht die Amerikaner, nicht die Europäer, nicht die Araber. Die aktuellen Entwicklungen geben Bibi ja stets recht. Und was die Zukunft bringen wird  – wer weiß das schon. Im Augenblick interessiert Netanyahu sich sowieso nur dafür, nicht im Gefängnis zu landen. Und dafür wird er alles tun. Selbst möglicherweise Trump einen Liebesdienst erweisen und die beiden Frauen nicht ins Land lassen. Mal sehen.

 

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