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Quod licet Jovi…

In der besten aller Welten arbeiten demokratische Staaten nur mit demokratischen Staaten zusammen und machen keinerlei Geschäfte mit Staaten, die Diktaturen oder Terrorregimes sind.

Doch die Realität schaut anders aus. Jeder macht mit jedem Geschäfte und wenn’s um den schnöden Mammon geht, dann läßt man auch gerne mal Fünfe gerade sein oder so ungefähr…

Lipservice

Ich erinnere mich noch gut, wie Sigmar Gabriel sofort nach Unterzeichnung des Nuklear-Deals mit dem Iran nach Teheran flog, um gleich dicke Verträge für die deutsche Wirtschaft abzuschließen. Zunächst murmelte er etwas davon, daß die Iraner nicht schlecht über Israel reden dürften, den jüdischen Staat auch bitte nicht zerstören sollten – und dann ging’s ans Geschäftemachen. Ein bißchen Lipservice für die Holocaust-Vergangenheit und dann aber bitte zurück zur „Realpolitik“.

Ich bin heute über eine Schlagzeile gestolpert, die lautet: „Raketenteile nach Katar. Die Bundesregierung genehmigt die Lieferung von vier Abschusstationen und 85 Lenksuchköpfen in den Golfstaat“

Keine Demos

Auch das ist ein Stückchen „Realpolitik“. Und niemand regt sich auf und es wird auch keine Demonstrationen geben. Auch nicht, wenn die Bundesregierung mit den Saudis weiterhin dicke Waffen- und andere Geschäfte machen werden… der Fall Khashoggi liegt ja auch schon eine Weile zurück.

Nein, ich spiele nicht den Moralapostel – aber viele Europäer tun das. Wenn es um Israel geht. Wenn sich die moralisch „Höherstehenden“ entrüsten, daß Israel mit dem Chad und mit anderen Potentaten zusammenarbeitet, Waffen liefert, politisch und militärisch kooperiert. Warum eigentlich? Quod licet Jovi, non licet bovi?

Lupenreine Demokraten?

Wann werden diese Europäer, die sich ununterbrochen über Israel entrüsten, mal genauer hinschauen dort, wo sich der eigene Mist befindet? Daß nämlich Europa auch gerne Menschenrechte und anderes links liegen läßt, wenn’s um’s eigene Interesse geht? Man baut eine Gaspipeline und macht ein Geschäft mit Putin, dem „lupenreinen Demokraten“, hä?

Man macht Geschäfte mit arabischen Staaten, mit dem Iran, mit China – alles anständige Regimes, in denen die Menschenrechte hochgehalten werden, nicht wahr? Wenn man’s selber macht, dann scheint das ok. Wenn Israel es tut, dann ist es ein Verbrechen und gefährdet die Sicherheit dieser Welt?

Interessenspolitik

Es ist diese Doppelmoral, die niemand in Israel mehr ertragen kann. Was nicht heißt, daß es ok ist, mit solchen Staaten Geschäfte zu machen. Aber – die Idealwelt, die gibt es eben nicht. Und Politik ist immer Interessenspolitik – nicht Moral, nicht Ethik. Nirgends. Nicht in Berlin, nicht in Paris, London, Rom und eben auch nicht in Jerusalem. Nicht mehr. Nicht weniger. Quod licet Jovi, etiam licet bovi.

Cheers und nun Daumen drücken für die deutschen Handballer!

 

 

Ein Gedanke zu „Quod licet Jovi…

  1. Bei diesem und anderen Blog Beiträgen fallen mir zwei Abschnitte aus einem der für mich prägendsten Bücher ein, nämlich aus Viktor Frankls „Trotzdem Ja zum Leben sagen“. Der erste Abschnitt lautet: „Es gibt auf Erden zwei Menschenrassen, aber auch nur diese beiden: die „Rasse“ der anständigen Menschen und die der unanständigen Menschen. Und beide „Rassen“ sind allgemein verbreitet…….“. Der zweite Abschnitt lautet: „Nur langsam kann man diese Menschen (Anmerkung: die Überlebenden der KZ´s) zurückfindenlassen zu der sonst doch so trivialen Wahrheit, dass niemand das Recht hat Unrecht zu tun, auch der nicht, der Unrecht erlitten hat.“ Warum fallen mir diese Abschnitte ein? Ich bin der Vergleiche bezüglich Moral, Demokratiefähigkeit, Realpolitik, Ökonomie etc. überdrüssig, denn sie dienen nur dem Zweck, Schuld und Verantwortung, egal auf welcher Seite zu relativieren und das eigene (hoffentlich überwiegend „ schlechte“) Gewissen zu beruhigen. Eine bessere Welt werden wir nur erreichen, wenn wir uns im Privaten, wie auch im Politischen an die Erkentnisse von Viktor Frankl (s.o.) halten.

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