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Sabsi mit Tadig

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Aus Anlaß des 40. Jahrestages der iranischen Revolution, war ich heute in Ramat Hasharon ein Sabsi mit Tadig essen… Wer persische Küche kennt, weiß, wie wunderbar das schmeckt.

Natürlich hörte ich auch Herrn Rohani rufen, daß man die iranischen Raketenkapazität weiter ausbauen will. Und ich hörte auch die Drohungen gegenüber den USA und – natürlich – Israel.

Es ist eigentlich sowas von schade, daß die Feindschaft zwischen den beiden Staaten – Israel und Iran – so aggressiv geworden ist, daß ein größerer Krieg in naher Zukunft möglich erscheint.

El Al nach Teheran

Dabei hatte alles einst so gut angefangen. Zu Schah-Zeiten waren die Beziehungen zwischen Jerusalem und Teheran bestens. Die israelische Fluggesellschaft El Al hatte einen täglichen Flug nach Teheran im Angebot. Das ARD Studio in Tel Aviv war dementsprechend damals noch für den Iran zuständig. Undenkbar heute. Israelis halfen der iranischen Wirtschaft, einer meiner besten Freunde in Tel Aviv hat als Geburtsort in seinem israelischen Pass stehen: Teheran. Und er ist ein aschkenasischer Jude.

Frauen ohne Kopftuch

Ayatollah Khomeini und die Seinen hassen Israel, weil der jüdische Staat mit dem Schah paktierte. Was auch heute noch viele Linke in der westlichen Welt ganz furchtbar aufbringt, wenn man sie darauf anspricht. Der Hass auf den Schah (erinnern Sie sich noch an die „Jubel-Perser“?) ist auch heute noch in bestimmten Kreisen enorm. Als ob das Mullah-Regime soviel besser wäre als das Schah-Regime. Zumindest war die iranische Welt zu Zeiten des Schahs offener und westlicher als heute. Wenn man sich Fotos von damals ansieht, so sieht man Männer und Frauen modern und liberal gekleidet, ohne Kopftuch, ohne Kleidervorschriften.

Babylon

Tatsächlich ist das Verhältnis zwischen Juden und Persern über Jahrtausende eigentlich (fast) immer ein gutes gewesen. Das geht zurück bis zum Babylonischen Exil (Persien!), der persische Herrscher ließ schließlich die Juden zurück nach Israel und diejenigen, die in „Babylon“, in Persien blieben, hatten es dort im Vergleich besser als in so manch anderer Diaspora.

Farsi und Gondi

Bis heute bewahren persische Juden ihre kulturellen Eigenschaften. Ob in Bevery Hills oder (einstmals) Hamburg, in Milano oder London, persische Juden kochen nach wie vor persisch (auch jüdisch-persisch, dazu gehören die wunderbaren „Gondi“-Klöße), selbst die Kinder der dritten und vierten Generation außerhalb Irans sprechen immer noch daheim Farsi, anders als die Kinder anderer jüdischer Emigranten, die spätestens in der dritten Generation die Sprache der Großeltern nicht mehr können.

Häufig bemühen sich die persischen Juden  untereinander zu heiraten, man möchte andere Juden eher nicht in der Familie haben. Und alle, alle träumen davon, eines Tages zumindest wieder in den Iran reisen, die alte Heimat besuchen zu können.

Keinen ruhigen Schlaf

Es heißt auch, daß die Mentalitäten beider Völker sich ähnlicher sind als etwa die Mentalität der Juden und der Araber. Ich kann das nur schwer beurteilen, aber was ich immer wieder erlebt habe, wenn iranische Juden und Nichtjuden zusammenkamen, ist eine große Vertrautheit und Selbtsverständlichkeit im Umgang miteinander.

Schade eigentlich, daß die Mullahs diese jahrtausendealte Beziehung so kaputt machen mußten. Schade, daß es zwischen dem Iran und Israel keine Freundschaft mehr geben kann. Wobei mir im Augenblick schon reichen würde, wenn beide Staaten sich zumindest in Ruhe ließen. Die Drohungen und Gegendrohungen fördern nicht wirklich einen ruhigen Schlaf.

Passagierflugzeuge statt Raketen

Schade… und so werde ich auch in Zukunft, wenn ich mal wieder Fesenjun oder Shirin Polo oder Gondi esse, daran denken, was mal möglich war und heute nur noch in der Küche möglich ist. Ob im Shuk Lewinsky in Tel Aviv oder bei persisch-jüdischen Freunden in Israel und in Los Angeles. Oder bei iranischen Freunden, die keine Juden sind. In London oder Paris.

Wir werden weiter zusammen essen und hoffen, daß irgendwann wieder Passagierflugzeuge zwischen Teheran und Tel Aviv hin- und herfliegen werden. Und nicht Raketen, Kampfflugzeuge oder gar Nuklearbomben.

Ein Gedanke zu „Sabsi mit Tadig

  1. Ja, echt schade! Und dann habt Ihr sogar noch die Abbasiden bei Euch, die Nachfahren der islamischen Herrscher, die im Jahr 825 n. Chr. in Bagdad das Haus der Weisheit gründeten. https://de.wikipedia.org/wiki/Haus_der_Weisheit_(Bagdad). Nur durch diese Akademie blieben die Schriften der antiken griechischen Gelehrten erhalten, die zuvor unter anderem an der antiken Bibliothek von Alexandria gelehrt hatten. Ausgehend von der persischen Akademie wurden auch in anderen muslimischen Städten solche Forschungszentren geschaffen, die das wissenschaftliche Fundament erarbeiteten, auf dem die westliche Renaissance gründete. Hätten die Muslime damals nicht das antike Wissen gesammelt, erhalten und weiterentwickelt, sähe unsere Welt heute vermutlich ganz anders aus. Nach dem Sturm der Mongolen wurde das Haus der Weisheit zerstört und die Abbasiden flohen nach Palästina. Schade, dass Israel immer noch nicht gewillt ist, diesen Menschen die Möglichkeit zu bieten, ihre Fähigkeiten zum Wohle aller Beteiligten einzubringen. https://youtu.be/61H8OppoWH8

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