DrusenIsraelNationalstaat-Gesetz

Stümperhaft

Im Militärsender »Galei Zahal« hat Minister Kahlon von der Kulanu-Partei zugegeben, daß das Nationalstaat-Gesetz offensichtlich »zu hastig« gemacht wurde und es Fehler gibt, die man nun korrigieren wird müssen. Auch der Führer der Siedlerpartei Naftali Bennett hat dies inzwischen zugegeben.

Worum es geht? Um die Drusen. Jetzt erst hat man bemerkt, daß man die etwa 150 000 Drusen, die loyale Bürger des Staates sind und in der Armee Seite an Seite mit den jüdischen Soldaten und Offizieren kämpfen, mit dem Nationalstaat-Gesetz brüskiert hat.

Wie stümperhaft ist das denn? Vor ein paar Tagen äußerte Moshe Arens seine Kritik; die Drusen wollen vor das Oberste Gericht ziehen und nun merken die Herren (und wenige Damen) Politiker, daß Sie sich so gar nicht um Minderheiten in ihrem eigenen Land gekümmert haben.

Seth Frantzmann hat genau zu diesem Thema in seinem Blog einen hervorragenden Post geschrieben:

Arrogance and hubris led Israel’s nation-state bill to perdition on Druze issue

Der Irrsinn um diese Gesetz wird weitergehen. Oder, wie mein Freund, der Soziologe Natan Sznaider, zum Umgang mit der arabischen Sprache schreibt:»… Daß damit etwa Arabisch seinen Status als offizielle Amtssprache verliert, wird im gesellschaftlichen Leben wohl nichts verändern – außer daß man die fast 21 Prozent zählende arabische Bevölkerung brüskiert.«

Ja, das Nationalstaat-Gesetz brüskiert sehr viele Menschen in Israel: Alle Minderheiten, sowie alle Reform- und Conservative-Juden. Ganz zu schweigen, von den säkularen Juden, die lieber in einer liberalen Demokratie leben wollen.

In diesem Sinne – das war nun mein wirklich letztes Post zum Nationalstaat-Gesetz. Gibt ja noch andere Themen 😉

2 Gedanken zu „Stümperhaft

  1. Es ist interessant, nun zu beobachten, wie liberale und säkulare Juden erst einmal dankbar aufatmen, weil zumindest die Stimme der Druzen gehört wird, während die eigenen Einwände offenbar ohne Belang sind. Der prominente konservative amerikanische Rabbiner Wolpe äussert sich dazu in einem Tweet, « Druze over Jews, who lose. » – Druzen über Juden, die verlieren.. Er kommentiert hiermit ein Tweet von Daniel Gordis, der sagt, « The irony here speaks volumes. Many Diaspora Jews were outraged by Jewish nation-state law but Netanyahu couldn’t have cared less. When Druze are (quite rightly) enraged, Bibi gets cracking. Bennet is even open to amending the law… » –
    Eine Bitterkeit lässt sich vernehmen, da die Anliegen amerikanischer Diaspora-Juden immer weiter aus dem Sichtfeld rutschen, weil liberales Judentum ja eigentlich gar keines ist.

    Hier ein Link zu einem Artikel, der die Gegenseite, also dieses neue Gesetz aus jüdisch-religiöser Sicht verteidigt. Autor ist David Hazony, Bruder von Yoram Hazony, der seinerseits Fürsprecher der Nationalstaatlichkeit bzw. dieser Form « illiberaler Demokratie » – nicht nur in Israel – ist. Im Herbst erscheint sein neues Buch zu diesem Thema, « The Virtue of Nationalism ». Hier also der Link zu David Hazony’s Einschätzung : https://forward.com/opinion/406355/everything-youve-heard-about-israels-nation-state-bill-is-wrong/
    Er sagt u.a., auch Frankreich habe eine offizielle Landessprache und England eine Kirche, die staatliche Institution ist. Auch Israel habe das Recht, eine eigene nationalstaatliche Identität festzuschreiben. Ich denke, vom Prinzip her ist das richtig. « Israel » ist frei, dies zu tun. Wer aber darf mitreden und mit entscheiden, wie diese Identität genau festzulegen ist ? Die Araber in Israel sind nicht zugewandert, und die Stimme der Juden in der Diaspora sollte ein Gewicht haben, da sie durch das Recht auf Rückkehr u.U. dereinst direkt von den Konsequenzen solcher Definition betroffen sein werden. Hierauf wird jedoch keine Rücksicht genommen, weil das heutige und künftige Israel nicht mehr das freiheitliche Israel seiner Staatsgründung ist.

  2. Per Zufall bin ich vor kurzem über einen israelischen Wissenschaftler und dessen Arbeit zum Ursprung der Aschkenasi-Juden gestolpert. Ich hatte einen Film von National Geographic über das genetische Mapping von Wanderbewegungen der Menschheit angesehen, die der Film anhand von verschiedenen Einwanderern in einer Straße von New York nachvollzog. Ganz am Ende des Film stellt sich heraus, dass ein türkischstämmiger Amerikaner besonders hohe genetische Ähnlichkeit mit Aschkenasi-Juden hatte. Worüber sich sowohl er selbst, als auch die Filmautoren zu wundern schienen. Als ich der Sache nach ging fand ich einen Artikel von Eran Elheik, der mit Hilfe einer genetischen Technik herausgefunden haben will, dass die Aschkenasim auf das konvertierte Volk der Chasaren zurückgehen. Wie zuverlässig diese Technik ist, kann ich nicht beurteilen. Wenn aber sowohl Eran Elheik, als auch das im Film unabhängig von ihm arbeitende Team zum selben Ergebnis kommt, könnte die These doch evtl stimmen. In dem Artikel wird auch Shlomo Sand zitiert, der die gleiche Theorie in seinem Buch „Die Erfindung des jüdischen Volkes“ aufgestellt hat und unter anderem meinte, die ursprünglichen Juden wären möglicherweise die heutigen Palästinenser, die unter dem Druck der muslimischen Mehrheit konvertiert sind. Wenn an dieser These etwas Wahre dran ist, sollte der Staat Israel dann nicht umso mehr darum bemüht sein, auch die Araber und Palästinenser gut zu integrieren und ihnen eine faire Chance für ein besseres Leben geben?

    https://academic.oup.com/gbe/article/5/1/75/730630

    https://academic.oup.com/gbe/article/8/4/1132/2574015

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