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Tel Aviver Gedanken in Zeiten von Corona, 11

In eigener Sache: Gestern gab es auf meiner Homepage ein technisches Problem, Sie konnten nicht mehr zugreifen, einige User haben mir das geschrieben. Vielen Dank dafür. Inzwischen hat meine großartige Systemoperator das wieder gerichtet…

Heute morgen bin ich aufgewacht und las zum ersten Mal eine halbwegs gute Nachricht. Israelische Offizielle und Experten haben sich positiv geäußert. Man rechne nun nicht mehr mit „Zehntausenden“ Toten, sondern mit etwas „unter Tausend“, da die Zahlen etwas besser werden und die harschen Maßnahmen (die hier in Israel viel strenger sind als in Deutschland) zu greifen scheinen.

Nun, man klammert sich ja an jeden Strohhalm, da – wie jeder weltweit – natürlich auch ich warte und hoffe, daß dieses Verharren in den Wohnungen irgendwann ein Ende hat. Lustig ist anders – aber das wissen Sie ja selbst.

Mediterrane Stille

Es ist auch heute morgen – wie nun schon jeden Tag – wieder besonders still, klar. Und heute ist Freitag, also Schabbat-Beginn in Israel. Da ist es am Freitag sowieso immer stiller als an den anderen Tagen. Es ist eine ganz wunderbare, mediterrane Stille, man „hört“ geradezu die Sonne… das Meer, den Wind, die Vögel. Die Grillen hört man noch nicht. Gibt es in Tel Aviv auch nur selten. Es ist vor allem der Wind, dieser mediterrane Wind, der für diese typische Stimmung sorgt. Irgendwie ist zur Zeit jeden Tag Schabbat. Oder, wie Etgar Keret, der wunderbare israelische Schriftsteller, neulich sagte: Es ist ein weltumspannender Jom Kippur.

Stimmt ja auch irgendwie. Sind wir nicht alle dabei auch ein wenig über den Sinn des Lebens nachzudenken? Über das, was uns wirklich wichtig ist. Worum es geht. Wirklich geht. Eine Art Introspektion?

Bucket List

Ich habe – zunächst nur aus Spaß – angefangen eine kleine Liste anzulegen, um mal festzuhalten, was ich nach Corona noch unbedingt machen will. Eine „Bucket List“, wie das auf Englisch heißt. Vielleicht kennen Sie ja den Film mit Jack Nicholson und Morgan Freeman, die zwei krebskranke alte Männer spielen, die einfach schnell vor dem Tod die Dinge tun wollen, die sie wirklich schon immer tun wollten.

Ich habe also so eine Liste begonnen (Nein, ich bin nicht krank, zum Glück. Aber nachdenken, wie es nach einer Pandemie für einen selbst weitergehen soll und kann – wer tut das im Augenblick nicht?). Wie gesagt, zunächst aus Zeitvertreib. Und ich merkte, daß bei fast allem, was mir so durch den Kopf ging und was ich zunächst aufschrieb, vieles gleich wieder durchgestrichen wurde. Weil’s einfach nicht wichtig genug war. So bin ich derzeit bei gerade mal 5 Dingen angekommen, die ich „unbedingt machen will“. Und nun habe ich angefangen, mir jeden Tag die Liste anzuschauen. Etwas hinzuzufügen oder eventuell auch wieder etwas wegzustreichen. Und allmählich finde ich diesen Vorgang wirklich spannend. Weil man so ernsthaft darüber nachdenkt, was wirklich, wirklich wichtig ist. Und plötzlich steht da – ohne, daß ich groß darüber nachgedacht habe – „Noch einmal Marcel Proust’s ‚À la recherche du temps perdu‘ lesen‘ „. Schon den dritten Tag. Da war ich dann selbst ein wenig erstaunt, woher das kommt. Aber es scheint mir, zumindest im Augenblick, wirklich wichtig zu sein, dieses wunderbare Stück Weltliteratur noch einmal in meinem Leben zu lesen (ich hab’s zweimal gelesen. Mit 16 und mit 24… laaaaang ist’s her 😉 )

Maskenpflicht und Sommerhitze

Bevor ich d i e s e n  Abschnitt jetzt angefangen habe zu schreiben, war ich kurz einkaufen. Wir haben jetzt Maskenpflicht. Und so bin ich mit einer Original chinesischen Maske (FFP2) durch die Gegend gelaufen. Es ist richtig heiß hier und unter dem Ding fängt man sofort an zu schwitzen. Dieses Corona m u s s einfach vor dem Sommer vorbei sein… Ab 30 Grad geht man dann ja schon freiwillig mit so einem Teil nicht mehr vor die Tür.

Ansonsten bekomme ich nach wie vor ununterbrochen irgendwelche Bildchen, Filmchen, Textchen zu Corona via WhatsApp zugeschickt. Eine Weile habe ich einige auch weitergeleitet. Jetzt aber beginnt mich das alles nur noch zu nerven. Geht es Ihnen auch so? Ich habe die automatische Speicherfunktion bei WhatsApp ausgeschaltet, diese Bildchen müllen mir sonst mein iPhone zu und die Speicherkapazität ist dann schnell aufgebraucht, wenn das so weitergeht. Darüber wird man eines Tages sicher Seminararbeiten schreiben: „Der digitale Humor in Zeiten von Corona“…

So, jetzt kommt bald der Schabbat, Merkel ist aus der Quarantäne wieder raus, Bibi sitzt immer noch. Ein schönes Wochenende Ihnen allen. Mal sehen, wieviel ultraorthodoxe Kranke wir bis Sonntag haben werden. Mit dem Blog geht’s dann am Montag weiter. Bis dahin!

2 Gedanken zu „Tel Aviver Gedanken in Zeiten von Corona, 11

  1. Hallo Herr Schneider, Shabbat shalom! ich lese jeden Tag gerne Ihre Blog-Beiträge und kann Ihre Stimmungsbilder gut nachvollziehen. Allerdings sehe ich auf diversen Webcams von TLV/Haifa, etc. immer noch reges Treiben an den Stränden. Wie passt das zu den strengen Bestimmungen über die Sie und auch unsere Familienangehörigen aus Haifa berichten?

  2. Shalom Herr Schneider,
    Am Samstag ist es immer schön Ihren Blog komplett zu lesen. Besonders in dieser irrealen Zeit , die wir gerade durchleben . Die Wahrnehmung der Umgebung Mensch, die Überlegungen was wird nachher sein? Ob wir das als „Weltgemeinschaft “ überhaupt aushalten? Alles schwirrt einem durch den Kopf. Und auch, was einem langsam nervt! Immer noch Hamsterkäufe! manchmal doofe Videos auf WhatsApp, blöde Witze über Corona,oder dumme Aussagen egal von wem!
    Merci für Ihre Aufmerksamkeit ,so ist man nicht alleine!
    weiterhin eine gute Zeit herzlich Gabriele

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