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Tel Aviver Gedanken in Zeiten von Corona, 16

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Hallo an alle,

also erst heute wieder ein Blog, weil jetzt nochmal Feiertag war – Pessach, der letzte Tag. Wenigstens in Israel. In der Diaspora müssen Juden noch einen Tag länger diese Pappe, genannt Mazza, essen. Warum das so ist? Weil in früheren Zeiten von Israel aus die Zeit angegeben wurde, wann ein Feiertag stattfindet. Dafür wurden Feuer auf den Berghügeln gezündet und um sicher zu gehen, daß alle Juden gemeinsam feiern können, wurde bei den meisten Feiertagen entschieden, sicherheitshalber zwei Tage in der Diaspora anzusetzen (weil es natürlich dauerte, bis diese „Feuersignale“ überall – von Berg zu Berg und Land zu Land – ankamen). Und so dauern die meisten Feiertage in der Diaspora einen Tag länger als in Israel. Das gilt für Pessach, für Sukkot und für Shevuot.

Pizza

Aber anyway, darum geht es hier nicht, sondern um das, was das Schönste an Pessach-Ende ist: PIZZA. Hat Tradition in meiner Familie – am Abend des letzten Tages gab und gibt es immer Pizza. Und so auch heute schon für mich. Für irgendwas, muss es ja gut sein, daß ich in Tel Aviv lebe. Meine Familie in Europa – die kann zwar in dieser Corona-Krise stundenlang spazierengehen, während wir hier diese verdammte 100 m Regelung haben. Dafür kann ich heute schon Pizza essen, während meine family noch einen Tag warten muss…

Platz 1 und 2

Aber noch etwas anderes scheint gut zu sein an Israel: Die DEEP KNOWLEDGE GROUP in London, hat soeben ein Ranking herausgegeben, welche Länder im Augenblick am sichersten und besten in ihrem Kampf gegen Corona sind. Auf Platz 1: Israel. Auf Platz 2: Deutschland – na, das sind doch mal für diese beiden Länder richtig gute Nachrichten. Nachzulesen hier: https://www.dkv.global/covid

Eine Menge Kalorien

Was schade ist: dass ich heute Abend nicht zum Mimouna-Fest gehen kann. Das ist ein Fest, das sich unmittelbar anschließt an Pessach, das Juden aus Marokko feiern. Sie haben die Tradition mitgebracht nach Israel und es wird dabei nicht nur in den Familien, sondern auch in öffentlichen Parkanlagen etc. gefeiert – und dazu gibt es nordafrikanischen Spezialitäten vom Feinsten. Viele köstliche Nachspeisen… also man kommt da stets mit einer Menge Kalorien mehr auf der Hüfte nach Hause…

Aber – dieses Fest muss dieses Jahr entfallen, natürlich wegen des Versammlungsverbots…. Corona… Wir müssen alle brav daheim sitzen, dürfen nicht raus… klar… also… hoffen auf das nächste Jahr…

Schulöffnung – nur wann?

Während ich diese Zeilen schreibe, kommt hier gerade eine Nachricht rein, daß Deutschland nach dem 4. Mai möglicherweise wieder Schulen öffnen will, so nach und nach… Ich finde das eher merkwürdig, habe auch die Empfehlung dieser Leopoldina-Gruppe gelesen und mußte über deren Vorstellung, wie das in den Schulen funktionieren soll, schon ein wenig schmunzeln. Deren Idee läuft darauf raus, daß Kinder so nach dem Motto „Zucht und Ordnung“ funktionieren. Von wegen… Mindestabstand, Händewaschen… das will ich sehen, wie das wirklich funktionieren kann…

Hier in Israel läuft natürlich auch die Diskussion, wie und ob und wann man allmählich das öffentliche Leben wieder beginnen kann. Und viele israelische Experten meinen, daß Schulen ganz zuletzt wieder geöffnet werden sollten, also, wie es scheint, das genaue Gegenteil dessen, was man in Deutschland vorhat. Mal sehen, was dann letztendlich passieren wird, hier ebenso wie in Deutschland.

So… und jetzt gehe ich Pizza bestellen (wir haben ja diese wunderbare App, mit der man in den noch offenen Restaurants – allerdings nur für Lieferservice – alles nach Hause ordern kann)… die Sonne geht bald unter, Pessach ist vorbei. Das merkwürdigste Pessach wohl der letzten Jahrhunderte. Das größte Familienfest in Isolation. Das – ebenso wie Ostern – werden wir alle wohl nie vergessen.

Bis morgen!

 

2 Gedanken zu „Tel Aviver Gedanken in Zeiten von Corona, 16

  1. Danke für den Tagesbericht. Man ist so schön mittendrin obwohl man 3000km entfernt ist. Werde mir zukünftig öfter Ihre Blogs anschauen. Da weiß man, dass es keine Fake News sind. Shalom
    P.S. : Haben Sie meinen etwas zu lange geratenen Artikel von vergangener Woche erhalten? Ich habe leider keine Website.

  2. Rankings sind – außer im Sport – mit großer Vorsicht zu genießen, da sie zu unangebrachter Emotionalität verführen. Dennoch lohnt sich in diesem Fall ein Blick in die Details. Die DKV Group hat 4 Bewertungskriterien angelegt: 1. Quarantine Efficiancy, 2. Monitoring and Detection, 3. Government Management Efficiency und Emergency Treatment Readiness. In den Bereichen 1. und 3. (Durchgriffseffektivität des Staates) liegt Israel vor Deutschland, in den Bereichen 2. und 4. (medizinische Effektivität) ist es umgekehrt. Was mich als Arzt in Deutschland daran freut? Die Punkte 2. und 4. haben weniger mit „Zucht und Ordnung“ zu tuen, eine Begrifflichkeit, die leider auch Sie erneut benutzen. Wenn man noch weiter ins Detail geht stellt man fest, dass insbesondere die Unterstützung der von der Corona-Krise besonders Betroffenen in Deutschland vorbildlich ist. Kein Grund stolz zu sein, aber zufrieden schon.

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