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Tel Aviver Gedanken in Zeiten von Corona, 9

So, Netanyahu sitzt in Quarantäne, weil er mit einer ultra-orthodoxen Beraterin, die das Virus hat, in Berührung kam. Er wurde inzwischen getestet und hat das Virus nicht, heißt es. Aber er bleibt wohl trotzdem erst einmal in der Absonderung.

Die Ultraorthodoxen drehen völlig durch und gehorchen den Anordnungen nicht – ihre Infizierungsrate ist inzwischen fast 10 x höher als bei den anderen Gruppen im Land. Die Hälfte der Infizierten in den Krankenhäusern sind bereits Ultraorthodoxe, man kann sich ausrechnen, was in ein, zwei Wochen los sein wird.

Aber das will ich Ihnen alles eigentlich jetzt gar nicht ausführlich erzählen. Sondern eine Begebenheit vom Wochenende. Wir dürfen uns ja hier in Israel nur noch in einem Radius von 100 m von unseren Wohnungen entfernt bewegen. Bei mir gibt es zum Glück keine 50 m von meiner Wohnung eine kleine Anhöhe, wo man sich hinsetzen und auf’s Meer blicken kann. Als ich am Samstag dorthin bin, waren da einige Leute, doch alle hielten Abstand, alles war ok. Am Boden saß eine Dame, die ihr Malzeug ausgebreitet hatte und an einem Panoramabild arbeitete. Da kam ein Mann mit seiner kleinen, entzückenden Tochter vorbei, sie war vielleicht drei Jahre alt. Die Frau am Boden sah sie und fragte das Mädchen, ob es mit ihr malen wolle. Das Kind guckte den Vater an, der nickte. Das Kind setzte sich neben die Frau, die sich mit ihr unterhielt und anfing mit ihr ein Bild zu malen.

Ich war total entsetzt und fragte den Vater, ob er das wirklich zulassen wolle. „Wieso?“, fragte er mich, „Ist doch alles ok, ich wasche ihr die Hände, wenn wir heimkommen“ „Ja, aber die Frau sitzt neben dem Kind, spricht mit ihr, da könnten ja Tröpfchen auf das Kind übergehen“, erwiderte ich und hoffte, daß er das Kind nun endlich von der „netten“ Malerin wegziehen würde. Aber nein, nichts dergleichen geschah. Und so hielt ich die Klappe. War wütend auf den Mann und die Frau. Wegen solcher Leute müssen wir anderen, die wir uns anständig verhalten, daheim rumsitzen. Weil es immer noch genug Idioten gibt, die nicht kapieren, was die Stunde geschlagen hat. Und in diesem Fall obendrein ein kleines Kind gefährden.

Heute erzählte mir eine Bekannte aus München, daß Polizisten an der Isar angespuckt (!!) wurden, als sie höflich versucht hatten, eine Gruppe von Menschen dazu zu bewegen, auseinander und nach Hause zu gehen.

Was geht in solchen Menschen vor? Wie sozial inkompetent kann man eigentlich sein? Ich begreife es nicht. Es ist sowas von deprimierend. Ignoranz kennt ebensowenig Grenzen wie das Virus.

Bis morgen… und kommen Sie gut durch die Nacht…

Ein Gedanke zu „Tel Aviver Gedanken in Zeiten von Corona, 9

  1. Im Falle der Malerin, die mit dem Mädchen ein Bild malte: Soweit man das bisher weiß, hat sich wohl eher die Malerin selbst durch den Kontakt mit dem Kind gefährdet. Denn bei Kindern verläuft die COVID-19 Erkrankung meist ausgesprochen mild, so dass sie es kaum oder gar nicht bemerken. Trotzdem ist es natürlich extrem ignorant, sich so zu verhalten, weil das Virus so immer weiter verteilt wird.
    Soweit ich das bei uns beobachten kann, halten sich aber die meisten Leute doch an die Regeln und es gibt nur ein paar Deppen, die sich nichts vorschrieben lassen wollen. Hoffen wir, dass es gelingt die Pandemiewelle so weit abzuflachen, dass unsere Gesundheitssysteme sie noch einigermaßen handhaben können und danach möglichst viele Menschen nach einem milden Verlauf der Erkrankung immun sind. Denn erst wenn 60 bis 70% der Bevölkerung immun sind wird sich die Pandemie abschwächen. In Deutschland müssen dazu c.a. 55 Millionen Menschen die Krankheit erfolgreich überstanden haben. Das wird wohl noch einige Wochen dauern. Berechnungen zum Lockdown Eine Frage von Monaten : https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/corona-krise-lockdown-koennte-bis-ins-naechste-jahr-dauern-a-ea2e318b-b388-4ccc-8493-318f892381b8
    Da lobe ich mir die Besonnenheit unserer deutschen Regierung, die es uns immerhin erlaubt spazieren zu gehen, solange wir auf Abstand bleiben. Schließlich ist die psychische Gesundheit unserer Bevölkerung bei der Bewältigung der Krise ja auch ein nicht zu vernachlässigender Faktor. Und die Deutschen, Österreicher und Schweizer brauchen eben einen Spaziergang in der Natur als psychischen Auzsgleich, um die Krise zu bewältigen.

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