Kunst in Israel

Vernissages

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Gestern sah ich gleich zwei beeindruckende Ausstellungen in Tel Aviv.

Die eine war eine dreifache Video-Darbietung auf drei Leinwänden gleichzeitig, von Roey Victoria Heifetz und Zohar Melinek Ezra. Thema der Installation: Liebe, Identität, Verlust der Beziehung, Existenz als Transgender. Titel: „Third Body“, zu sehen im Artist’s House in Tel Aviv. Das Transgender-Thema ist ebenso wie die Homosexualität in Israel längst ein Politikum geworden. Vor allem die orthodoxen Parteien in der Regierungskoalition, aber auch außerhalb der Regierung bekämpfen Menschen der LGBTQ – Gruppe, die so wirklich frei nur in Tel Aviv leben können.

Danach ging’s weiter in die Sommer Gallery auf dem Rothschild-Boulevard. Michal Helfman zeigte dort ihre Installation „Running out of History“, in deren Zentrum ebenfalls ein Video steht. Die Gespräche im Video basieren auf Interviews, die die Künstlerin mit Gal Luski gemacht hat. Luski, eine Israelin, hat mit ihrer Hilfsorganisation jahrelang innerhalb Syriens gearbeitet, um Menschen zu helfen, zu denen nicht einmal mehr die UN durchdrang. Thematisch sprach mich diese Installation noch mehr an als die erste, da ich mich natürlich als politischer Journalist seit Jahren mit dem Bürgerkrieg in Syrien beschäftige. Hier ein Link zur Galerie: http://www.sommergallery.com/current-exhibition

Angesichts der Kulturpolitik, die Ministerin Miri Regev betreibt, ist allein schon der Besuch solcher Vernissages ein Politikum, wenn man bedenkt, wie Regev inzwischen – teilweise erfolgreich – kulturellen Widerspruch zur aktuellen Politik und Denkweise zu unterdrücken versucht. Beide Ausstellungen waren sehr gut besucht gestern. Die Menschen interessieren sich – und wissen, was auf dem Spiel steht für sie: Der langfristige Verlust liberaler Lebensweise.

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