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Was, wenn Trump gehen müsste?

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Nach den Verurteilungen von Trumps einstigen Weggefährten Manafort und Cohen, keimt Hoffnung auf, daß Robert Mueller sich allmählich dem Zentrum der Problematik nähert: Donald Trump. Und daß Trump dann endlich über ein Impeachment abgesetzt werden könnte.

Hass auf Trump oder die „Siegermacht“?

Nun, wo auch immer ich derzeit in Deutschland hin komme, wenn das Gespräch auf Trump kommt, dann hoffen alle, daß er bald aus dem Weissen Haus verschwindet. All die Wut und der Hass, der sich auf Trump entlädt, mag ja zum Teil verständlich sein, aber häufig schwingt da auch das alte deutsche Ressentiment gegen die USA, gegen die „Siegermacht“ mit. Es ist in Deutschland wie in vielen, vielen anderen Ländern: Man hasst die USA, aber man will dessen Lifestyle leben und wenn es eine Möglichkeit gäbe, dort zu studieren oder beruflich zu reüssieren, dann würden viele ihren Hass sofort beiseite schieben.

Impeachment?

Also: die Hoffnung, daß Trump vielleicht doch nur eine relativ kurze Episode wären könnte. Doch ich bezweifle das. Ich war in den USA als es darum ging, ein Impeachment gegen Bill Clinton durchzusetzen. Ich habe mitbekommen, wie schwierig es ist, wieviele politische, juristische Hürden genommen werden müßten. Und ganz ehrlich: Ich glaube nicht, daß es zu einem Impeachment gegen Trump kommen wird. Zumindest – wenn man ein klein wenig „optimistisch“ sein will – nicht so schnell, wie viele hoffen.

Mike Pence – will man das?

Aber selbst wenn – was würde das bringen? Dann hieße der neue Präsident Mike Pence. Wer sich auch nur ein ganz klein wenig mit Pence beschäftigt hat, wird wissen, daß man da – wie es so schön heißt – die Pest gegen die Cholera eintauscht.

Pence lehnt die Evolutionstheorie ab, Pence ist gegen die Gleichberechtigung von LGBT, Pence ist gegen die Abtreibung, Pence, ursprünglich ein Katholik, ist ein Evangelikaler, Pence glaubt nicht an die globale Erwämung durch menschliches Handeln.

Und: Pence war die treibende Kraft im Hintergrund für die Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem.

Pence hat gegenüber Trump einen entscheidenden Vorteil, der zugleich der größte Nachteil ist: Er ist ein Berufspolitiker mit viel Erfahrung und er ist ein eher ruhiger, bedächtiger Mann nach außen. Er könnte also eine extrem rechte Politik in den USA fortsetzen – ohne all die Volten, Skandale und das Chaos, das Trump ständig anrichtet. Es wäre sozusagen eine Fortsetzung der Trump’schen Politik mit den Gepflogenheiten des politischen Systems. Nicht gegen das System.

Kann man sich das wünschen? Was würde sich also ändern, wenn Trump gehen müßte? Die Angst, es könnte danach noch schlimmer werden, ist nicht unberechtigt.

Für Netanyahu könnte solch ein Wechsel im Weissen Haus allerdings noch einen weiteren Vorteil bringen: Er hätte dann wohl einen Partner in Washington, auf den er sich noch mehr verlassen könnte als auf Trump: denn selbst Bibi weiß nie so genau, was Donald am nächsten Morgen so twittert…

3 Gedanken zu „Was, wenn Trump gehen müsste?

  1. Leider haben Sie wieder mal Recht, lieber Herr Schneider. Wohin man auch schaut, Anlass für hoffnungsvollen Optimismus entdeckt man nirgendwo. Bleibt uns wohl nur, diese pessimistisch stimmenden Phase der Weltgeschichte auszusitzen und trotz allem zu hoffen, dass am Ende noch ein Stückchen lebenswerte Welt übrig bleibt. Ihre Kommentare gehören z.B. dazu. Danke!

  2. In seinem letzten Fox-Interview warnte Trump sein Land vor den Folgen eines Impeachment, weil das den wirtschaftlichen Ruin der USA bedeuten würde, weil dann sein einzigartiges Gehirn nicht mehr an der Spitze der Nation zur Verfügung stünde. Das wäre eigentlich nicht so schlimm, würde Trumps Gehirn dann nicht durch den Evangelikalen Pence ersetzt, der weitaus größeren Katastrophe. Wer mehr über diesen extrem gefährlichen Frömmler erfahren möchte, sollte seine Nase in die Neuerscheinung (28.08.18) „The Shadow President“ stecken. Untertitel des Buches ist: „The Truth About Pence“. Verfasser sind der Pulitzer-Preisträger Michael D’Antonio und Co-Autor Peter Eisner. Sie zeigen den Mann, den Frank Bruni in der New York Times kürzlich so charakterisierte: „Mike Pence, der den Chef mehr widerspiegelt, als man realisiert. Er ist ebenfalls selbstverliebt, ebenfalls ein Fanatiker,ebenfalls ein Lügner und ebenfalls grausam.“(„Mike Pence, who mirrors the boss more than you realize. He’s also self-infatuated. Also a bigot. Also a liar. Also cruel.)
    Zu dieser gefährlichen Mischung fügt Pence noch zwei Zutaten hinzu, die Trump nicht wirklich besitzt, die Überzeugung, dass er auf einer von Gott gewollten Mission ist und die Entschlossenheit, die ganze Nation in Form seines eigenen Glaubens zu formen, eine regressive, repressive Version des Christentums. Der klerikale Faschismus lässt grüßen.

  3. Leider, wahre Worte.
    Ihre Beiträge waren in letzter Zeit ziemlich pessimistisch, manchmal sogar wütend, was eine ganz neue Seite Ihrer Persönlichkeit für mich darstellte. Aber den Puls wallen zu lassen, ist kaum eine weltpolitische Situation wert. Gelassenheit ist das Gebot der Stunde, auch was Trump betrifft.

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