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Alltägliches irgendwie anders

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Es gibt so Momente im Leben, wo das „Alltägliche“ plötzlich irgendwie anders erscheint. Als ich gerade zurückkam nach Tel Aviv und zu Fuß unterwegs war zu einem Termin, schaute ich den Menschen auf der Straße zu, wie sie quirlig herumeilten, mit ihren E-Bikes und E-Rollern jedem das Leben zur Hölle machen (die Autofahrer sind aber noch übler), ich hörte innerhalb von wenigen Minuten Hebräisch, Englisch, Französisch und Russisch.

Ich sprach die Menschen einfach so an. Und wollte von ihnen nur eins wissen: Was sie von Bibi halten? Was von der Umarmung der faschistischen Otzma Yehudit Partei? Ich erntete Achselzucken oder sich verdrehende Augen, vor allem aber ein: „Ein ma la’asot“, „da kann man nichts machen“.

Ähnlich ging es mir kürzlich in Berlin auf ähnliche Fragen. Dieses Achselzucken – war das damals, in den dreißiger Jahren, auch so? Wahrscheinlich. Damals aber hörten die Menschen in Europa nicht ein „Wehret den Anfängen“, „Nie wieder“ u.ä.

Meine Gedanken wanderten nach Venezula. Wann ist diese kritische Masse erreicht, wenn „das Volk“ auf die Straße geht und sagt: genug! Wirklich erst dann, wenn es an die eigene Existenz geht? Es scheint so.

Und wann steht plötzlich da ein Mann/eine Frau auf und wird plötzlich zum Anführer einer Bewegung, wie in Venezuela geschehen? Ein politischer Führer, der elektrisiert, der die Menschen anspricht, ihre Energie, ihre Wut, ihr Wollen bündelt und lenkt und – hoffentlich -in die richtige Richtung leitet?

Im Augenblick sehe ich nirgends in der westlichen Welt so eine Figur, nicht in Deutschland, aber auch nicht in Israel. Benny Gantz hat am ehesten die Chance Bibi abzulösen (wobei ich unsicher bin, ob ihm das gelingen wird). Aber wenn es ihm gelingt – dann nicht, weil er die Menschen „elektrisiert“, sondern weil immer mehr genug von Bibi haben. Möglicherweise ist das nicht genug. Oder wird es genug sein?

Der israelische Journalist Barak Ravid berichtete gestern, daß Donald Trump möglicherweise in zwei Wochen, wenn Bibi in Washington weilen wird, die Annektierung der Golan-Höhen anerkennen wird. Sollte dies der Fall sein, dann kann Gantz einpacken, dann hat Netanyahu die Wahlen in der Tasche. Dann müssen Gantz und die Wähler warten, bis möglicherweise das Gericht Bibi wegen möglicher Korruption verurteilen wird. Das aber kann noch dauern. Mal sehen…

2 Gedanken zu „Alltägliches irgendwie anders

  1. Vielleicht ist das „andere“ am Alltäglichen auch, dass Israel mit der Zeit nicht mehr „da unten“ ist, sondern „hier“, und hier ist gar nicht so anders als dort zuvor. Ob im Regen oder unter der Sonne, es sind Menschen überall.

  2. Model und die Schauspielerin Rotem Sela (die ich sehr schätze und bewundere für ihren Mut) hat auf Instagram etwas bewegt.
    “Oh mein Gott, es gibt arabische Bürger in diesem Land“, schrieb sie, „Wann wird jemand in dieser Regierung der Öffentlichkeit mitteilen, dass Israel ein Land für alle seine Bürger ist und dass jeder Mensch gleich geboren ist? Araber, um Gottes Willen, sind Menschen. Und die Drusen auch. Und übrigens auch Schwule und Lesben und… Schock… Linke. “

    Netanjahu reagierte prompt auf Instagram und erinnerte Sela daran, dass seine Regierung kürzlich ein Gesetz verabschiedet hatte, in dem Israel ausdrücklich als Nationalstaat des jüdischen Volkes definiert wurde. Ich glaube nicht, dass die jungen Israelis, die Mehrheit der Wahlberechtigten diesen Mann jetzt noch unterstützen werden. Hoffentlich !

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