AntisemitismusAntisemitismusbeauftragterFelix Klein

Der Antisemitismusbeauftragte versteht was nicht

Felix Klein ist der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung. Er ist ein anständiger Mann, der sich ernsthaft bemüht. Doch sich bemühen reicht einfach nicht aus in diesen Zeiten. Und so hat Herr Klein vor kurzem ein Interview gegeben, in dem er einige sehr irritierende Dinge gesagt hat:

So erklärte er, daß US-Präsident Trump mit seinem Stil das gesellschaftliche Klima verschärfe, was u.a. für die jüdische Gemeinschaft in den USA gefährlich sei. Außerdem würde Trump eine pro-israelische und anti-iranische Politik betreiben. Und er – Felix Klein – sei froh, daß die Juden in Deutschland gegenüber der Politik von Trump sehr zurückhaltend seien, da viele Menschen in Deutschland die Juden in Deutschland verantwortlich machen für die Politik Netanyahus.

 

Pro-israelische Politik löst Antisemitismus aus, Herr Antisemitismusbeauftragter?

Bitte lesen Sie sich obiges zweimal durch, denn es verschlägt einem eigentlich der Atem. Ich habe keine Ahnung, ob sich Felix Klein wirklich bewußt ist, was er da eigentlich gesagt hat. Denn im Grunde heißt es doch Folgendes: Wenn man eine zu positive Politik gegenüber Israel macht und gar noch eine negative gegenüber dem Iran, dann ist das der Grund für Antisemitismus. Im Umkehrschluß: Man muß freundlich gegenüber den Iranern sein und gegenüber Israel weniger freundlich. Und wenn man dann so eine Politik macht, dann gäbe es keinen Antisemitismus? Wie bitte?

 

Wenn Juden kuschen, dann ist alles ok?

Aber es geht ja noch weiter: Juden, die sich ducken, wie im Ghetto früher, haben gute Chancen, nicht auf Antisemitismus zu stoßen. – Denn das bedeutet die Erleichterung des Antisemitismusbeauftragten darüber, daß die jüdische Gemeinschaft in Deutschland sich bedeckt hält, was Trump und seine Nahostpolitik angeht. Mit anderen Worten: Würde der Zentralrat der Juden die Politik Trumps befürworten – und zwar laut und öffentlich – dann dürften sich die Juden in Deutschland nicht wundern, wenn ihnen Antisemitismus entgegenschlägt. Mit anderen Worten: Die Juden – eigentlich Opfer des Antisemitismus – sind nicht nur selbst schuld, wenn er über sie hereinbricht, sie haben es sogar in der Hand, ihn abzuwehren, indem sie schlicht: kuschen. Ach ja?

Noch einmal: Ich weiß nicht, ob dem Antisemitismusbeauftragten wirklich bewußt war, was er da sagte. Ich unterstelle ihm auch nichts Böses. Aber diese Interpretation, wie Antisemitismus entsteht, ist nicht nur grundsätzlich falsch, sie schiebt den Juden eine Rolle zu, wie sie ihnen in Europa 2000 Jahre zugeschoben wurde.

 

Selbst wenn Juden Engel wären…

Aber was lernt man aus der Geschichte, aus der Geschichte des Antisemitismus: Daß es völlig egal ist, was die Juden machen, „der Antisemit“ wird sie immer hassen, egal, was sie tun oder nicht. Der Antisemit braucht keinen Trump und keinen Netanyahu und keinen Iran – er hasst die Juden und sucht sich stets „Scheinargumente“, die je nach Jahrhundert variieren können, aber im Grunde immer nur ein- und dasselbe sagen: „Der Jude ist selbst schuld an seinem Unglück“. Wäre der Jude anders, wäre alles ok. Die Juden sind also im Grunde verantwortlich für den Antisemitismus.

Nur: Selbst wenn alle Juden Engel wären, die absoluten, wunderbaren, gerechten, anständigen, moralisch-perfekten Übermenschen, dann würden die Nichtjuden sie genau dafür hassen, weil sie den anderen zeigen würden, wie schlecht, wie ungerecht, wie unanständig, wie moralisch fehlbar sie sind. Es bleibt sich völlig gleich, wie Juden tatsächlich sind, was die Antisemiten angeht, brauchen sie keine bestimmten „Verhaltensweisen“ um Juden zu hassen. Sie hassen sie. Punkt. Das ist krank und irrational. Es ist alles Mögliche, aber die jüdische Gemeinschaft hat keine Verantwortung dafür. Denn – ach Wunder – Juden sind wie alle anderen Menschen auch. Und wenn sie dafür gehasst werden, daß sie existieren, dann ist das absolut nicht ihre Verantwortung. Und es ist völlig egal, welche Politik ein Netanyahu, ein Trump oder sonst wer machen.

 

Heute ist Yom Hashoah

Kleins Antworten werfen Fragen auf: Wie kann es sein, daß ein „Antisemitismusbeauftragter“ das Wesen des Antisemitismus nicht begreift?

Ach übrigens: Ich schreibe diese Zeilen am Yom Hashoah, dem israelischen Holocaust-Gedenktag. Gerade eben haben die Sirenen im ganzen Land geheult. Da steht das ganze Land still und gedenkt der 6 Millionen Opfer des Holocaust.

4 Gedanken zu „Der Antisemitismusbeauftragte versteht was nicht

  1. Die „Antisemitismusbeauftragten“ der Bundesregierung und der Landesregierungen sind eine reine Schowveranstaltung. MSM und öffentlich Rechtliche tun Alles dafür, daß dies auch weiterhin so bleibt und von den Bürgern nicht erkannt werden kann.
    Mahmoud Abbas – unter dem Namen Abu Mazen einer der Drahtzieher des Anschlages auf die israelische Olympiamannschaft 1972 in München, Rentenzahler an die Hinterbliebenen von Selbstmord-Terroranschlägen, Finanzier von Raketen, die aus Schulen und Krankenhäusern heraus aus Israel abgeschossen werden, Erfinder der Mär, Israelis würden palästinensische Brunnen vergiften und seit 2009 Präsident von eigenen Gnaden der Palästinenser – wird von Siegmar Gabriel als „Freund“ bezeichnet. 100%-Schulz, zu der Zeit noch Präsident des EU-Parlamentes, fand die Brunnenvergifter-Rede, die Abbas vor dem EU-Parlament halten durfte,“inspirierend“. Der deutsche Präsident Steinmeier legt lieber Kränze am Grab von Arafat nieder und spricht mit anti-israelischen NGO statt sich mit Israels Regierung zu treffen. Merkel bezeichnet die „deutsche Freundschaft zu Israel“ als Staatsräson und schiebt der Hamas jedes Jahr zig Millionen zu.
    DAS wären Betätigungsfelder für einen Antisemitismusbeauftragten. Aber, wie gesagt: Klein ist der Böhmermann der Bundesregierung. Es gibt Leute, die nennen so Einen einen „nützlichen Idioten“.

  2. Ich wiederhole: Die Vernichtung Israels dauert nun schon sehr, sehr lang. Jüdisches Leid ist nicht „historisch“,wie viele Gedenkfeiern in Europa suggerieren. Dass Israel militärisch stark ist, ist weder Trost, noch Beruhigung, hoffentlich aber Notwendigkeit. Die europäische Umarmung des iranischen Regimes ist das Hinhalten der anderen Wange, in der Hoffnung, dass es den Anderen trifft. Europa weiss genau, wen! Und wenn Israel ausreichend gezwungen sein wird, sich zu wehren, glaubt man, wieder ein Stück Schuldgefühl loszusein (Schuldgefühle rächen sich, ob sie nun berechtigt oder unberechtigt sein mögen). Die christlich geprägte Sebsttäuschung Europas ist leider nicht Geschichte! Hoffen wir auf eine Ent-Täuschung ohne Opfer!

  3. Das wirft viele Fragen auf: Wer ist überhaupt Felix Klein? Wie hat er sich für die Aufgabe (in der ja eine Chance stecken könnte) qualifiziert? Welche Mitarbeiter mit welcher Qualifikation und inneren Haltung unterstützen ihn?? Kennt er das Wort Empathie und lebt er es auch tatsächlich? Hat er Jüdische Freunde etc., mit denen er die anstehenden Themen gelegentlich – gerne auch kontrovers – diskutieren kann?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.