Hanau. Ein Jahr. Ausgrenzung.

Hanau. Ein Jahr. Wer wissen will, was in diesem Jahr geschehen ist, oder soll man besser sagen: nicht geschehen ist, der lese diesen Artikel von Özlem Gezer und Timofey Neshitov im SPIEGEL, der hinter einer Paywall ist, aber es lohnt sich: https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/die-hanau-protokolle-ueberlebende-des-attentats-berichten-ueber-ihre-entfremdung-von-deutschland-a-00000000-0002-0001-0000-000175304177

Alles gesagt

Zu Hanau brauche ich nichts zu sagen. Es ist alles gesagt. Über den Hass der Rechten. Über das Versagen der Politik und der Sicherheitsbehörden. Über Vorurteile. Über das Wachsen des Rechtsextremismus. Über die Partei, die das alles mit bewirkt. Über die Ausgrenzung.

Juden werden ausgegrenzt

Ausgrenzung. Selbst beim Gedenken and die Opfer des Rassismus in Hanau wird ausgegrenzt. Juden. Ja, genau. Juden wurden ausgegrenzt. Bei einer Gedenkkundgebung in Stuttgart. Weil eine linke Organisation Juden nicht dabei haben wollte. Also wurden die Juden ausgegrenzt. Aha. So schaut der Kampf gegen Rassismus aus?

Man hat nicht so viele Kontakte

In den letzten Tagen habe ich viele Räume auf Clubhouse besucht. Eine z.B. beschäftigte sich mit dem Rassismus bei der deutschen Polizei. Auf dem Panel: PoC, einige mit türkischen Namen. Ich fragte nach, warum eigentlich zu dem Panel keine Juden eingeladen wurden. Denn es betrifft ja auch sie: Antisemitismus in Sicherheitsorganen. Peinliches Gestotter der Veranstalter und Veranstalterinnen. Ja, nein, ja, man habe nicht so viele Kontakte zu Juden. Aha. Warum sucht man den nicht, den Kontakt? Warum tun sich Minderheiten nicht zusammen? Ich glaube die Antwort zu kennen.

Die Tante von Max Czollek

Eine der Moderatorinnen wird in einem anderen Raum dann die Lage heute mit der Verfolgung der Juden damals vergleichen. Aufschrei. Entschuldigungsversuche. Sie meint, sie habe Absolution bekommen, denn „die Tante von Max Czollek hat mir vergeben!“ Aha.

Ein Jahr Hanau. Es gibt noch viel, sehr, sehr viel zu tun. Rassismus, Ausgrenzung finden täglich statt. Immerzu. In den Köpfen der Menschen. Und dann im Alltag, bei der Arbeit, im Privaten. Jeder, der zu einer Minderheit gehört, kennt das. Auch ich, natürlich.

Es wird was getan

Ich habe es satt, dass es möglich ist, dass Menschen, nur weil sie anders sind, in Deutschland einfach wieder erschossen werden können. Und denke auch an Halle. Was wäre geschehen, wenn die Tür nicht gehalten hätte? In Hanau wurden „muslimische Migrantenkinder“ getötet: man erschrickt. Man will was tun. Man ist betroffen. Es wird was getan. Nicht genug. Und da ist ja auch noch Corona. Das Augenmerk geht woanders hin.

Staatskrise?

Aber man stelle sich vor, der Attentäter von Halle wäre in die Synagoge eingedrungen und hätte dort an Jom Kippur mitten in Deutschland 30, 40, 50 Juden getötet. Es wäre womöglich eine Staatskrise daraus geworden. Wegen der Geschichte. Aber eigentlich ist immer Staatskrise. Auch nach Hanau. Für die Minderheiten sowieso. Sie leben immer in Angst. Die Mehrheitsgesellschaft macht sich da keine wirklichen Vorstellungen. Sollte sie aber. Wenigstens jetzt endlich. Ein Jahr nach Hanau.

 

 

 

Ein Gedanke zu „Hanau. Ein Jahr. Ausgrenzung.

  1. Hanau. Was an solchen Gedenktagen besonders schmerzt ist, dass es im Grossen keine nenneswerten Änderungen gibt. Strafverfolgung, Polizeiarbeit, Behörden, alles langsame u überbürokratische Dienststellen…..seit Jahren. Da können auch die Reden an den Gedenkfeiern, kein Vertrauen der Betroffenen und anders denkenden Bevölkerung schaffen!! Das ist die traurige Erkenntnis. schöne Grüsse

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