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Wer will Krieg?

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Wer will Krieg? Und warum? Diese Frage stellt sich nach den Ereignissen in und um Gaza. Auch wenn Netanyahu in der westlichen Welt zutiefst verhasst ist, eines ist er nicht: Ein Kriegstreiber. Er will keinen Krieg und hat in den vergangenen Jahren versucht, sich nicht in etwas hineintreiben zu lassen, von dem er weiß, daß er, daß Israel nur verlieren kann. Er hat den Forderungen seiner Ultras in der Koalition immer widerstanden. Und erst vorgestern erklärte er noch in Paris, daß er alles tun werde, um einen unsinnigen Krieg in Gaza zu verhindern.

Unbeantwortete Fragen

Warum dann diese Undercover-Aktion der Israelis in Gaza, wo man doch offensichtlich in Geheimverhandlungen mit der Hamas relativ weit gekommen zu sein scheint? Diese Frage wird wohl nie beantwortet werden können. Es ist unklar, ob die Aktion schon lange geplant war, ob sie zu einem „Paket“ von vielen Aktionen gehörte, die zwar von Netanyahu abgesegnet waren, aber – sozusagen – „ohne Datum“. Fragen über Fragen.

Aber selbst wenn es so wäre – es gibt auch andere Möglichkeiten -, daß diese Aktion mit dem anschließenden Schußwechsel der „Trigger“ für die aktuellen Kämpfe ist, so bleibt die Frage, was die Hamas eigentlich will. Gestern wurden über 400 Raketen abgefeuert auf Israel. Und das innerhalb weniger Stunden. Das war mehr als an den Tagen des letzten Krieges 2014, der 51 Tage dauerte.

Alle haben die Hamas satt

Will die Hamas Israel in einen neuen Krieg treiben? Der Angriff mit einer gesteuerten Rakete auf einen israelischen Bus wäre möglicherweise der Auslöser auf eine richtig große militärische Aktion der Israelis gewesen, wenn es dabei mehrere Tote gegeben hätte.

Alle in der Region haben die Hamas satt. Ägypten sowieso, Katar, das die Hamas zwar unterstützt, ist auch verärgert darüber, daß sich die Islamistenorganisation so „sperrig“ zeigt, die Saudis wollen mit der Hamas sowieso nichts zu tun haben. Und dann ist da noch der innerpalästinensische Machtkampf. Man darf nicht vergessen, daß die PA unter Präsident Abbas der Hamas die Daumenschrauben angelegt hat. Kein Strom, keine Bezahlungen der Beamten – die Maßnahmen der PA in den letzten Monaten gegen die Hamas und gegen die Bevölkerung in Gaza waren sehr viel krasser als sie in Europa wahrgenommen wurden.

Und Israel? Jerusalem laviert nun schon seit 13 Jahren mit Gaza herum und hat keine wirklich seriöse Politik gefunden, wie man mit dem Küstenstreifen umgehen soll. Das, was Israel eigentlich in die Hände gespielt hat – die politische Teilung der Palästinenser mit der Hamas in Gaza und der Fatah im Westjordanland, fällt den Israelis immer wieder auf die Füße.

Und während ich diese Zeilen schreiben, läuft auf meinem Handy wieder der Alarm für neue Raketenangriffe auf Israel – was automatisch bedeutet, daß die IAF Angriffe auf Gaza fliegen wird.

Krieg als „Nullsummenspiel“

Also wer hätte etwas von einem neuen Krieg? Ist die Hamas sauer, weil sie aus ihrer politischen Ecke nicht rauskommt? Weil sie zu wenig Geld von Katar bekommen hat? Weil Netanyahu in der arabischen Welt inzwischen offen und nicht mehr heimlich empfangen wird? Weil die PA die Hamas ausbluten läßt?

Soviel ist sicher: Wenn es zu einem neuen Krieg kommen sollte, dann wird er enden, wie die drei Krieg zuvor: Mit vielen Toten und ohne Ergebnis. Die Europäer werden Israel verurteilen, die arabische Welt auch (und trotzdem mit Israel weiter zusammenarbeiten gegen den Iran). Es ist ein „Nullsummenspiel“ auf Kosten der Zivilisten. Aber: what else is new…?

4 Gedanken zu „Wer will Krieg?

  1. Wo sich Israel doch so oft im Ausnahmezustand befindet und man nie weiß, was die Zukunft bringt: Wäre es da nicht eine Überlegung wert, wenn der eine oder andere Israeli sich zusätzlich einen deutschen Pass besorgt? Erlaubt doch der Artikel 116 des deutschen Grundgesetzes allen früheren deutschen Staatsangehörigen, „denen zwischen dem 30. Januar 1933 und dem 8. Mai 1945 die Staatsangehörigkeit aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen entzogen worden ist“, sowie ihren Nachfahren, sich wieder einbürgern zu lassen. Nach der Brexitabstimmung haben viele britische Juden diese Möglichkeit genutzt, um sich weiterhin in Europa frei bewegen zu können: https://www.welt.de/politik/deutschland/article160783898/Viele-britische-Juden-wollen-jetzt-Deutsche-werden.html Ein solcher deutscher Pass würde Israelis auch ermöglichen in Europa zu leben, falls es mal in Israel zu ungemütlich wird…

    Schade, dass sich die Menschen immer gegen eine andere Gruppe solidarisieren. Wie im Nahen Osten zur Zeit gegen den Iran. Hier in Berlin, auf neutralem Boden, machen israelische und iranische Musiker zusammen eine tolle Musik, um eine Brücke zwischen ihren beiden Kulturen zu bauen. Make music instead of war: https://youtu.be/59zGHQ7t27c
    https://youtu.be/UC7tDEtG33M

      1. Immerhin wird man bei uns nicht alleine in einer Nacht mit über 400 Raketen beschossen und auch die Gefahr von Anschlägen ist sehr übersichtlich.

        Ich meine ja auch nicht, dass nun alle Israelis sofort zu uns kommen sollen. Sondern ich dachte nur, dass es vielleicht eine gute Option wäre, einen Pass aus Europa zu haben, falls sich die Lage in Israel in der Zukunft einmal zuspitzen sollte. Etwa, wenn die Falken wieder mehr das Sagen haben. Wenn man einen deutschen Pass haben möchte, dauert das auch eine ganze Weile… Da braucht man etwas Vorlauf.

        Haben Sie denn keinen deutschen Pass, oder einen von einem anderen EU-Land?

  2. Sie fragen wem das nutzt? Nun einfach gesagt der Hamas nutzt das. Auf vielerlei Hinsicht. Das ganze lenkt von inneren Problemen in Gaza ab. Das ganze zeigt den Westbankpalästinensern die Hamas tut etwas um Palästina zu befreien. Der Abbas macht nix und kollaboriert mit Israelis. Und wenn es zu einen Krieg kommt, dann gibt es viel Blutbilder, die man dann über die Medienagenturen in alle Welt zeigen kann. Man kann sagen, die Hamas kann in einen neuen Krieg nur gewinnen, aber nicht verlieren. Verlieren werden nur die Israelis, egal wie viel Tunnel und Hamaseinrichtungen sie zerstören. Das weiß Netanyahu. Manchmal erinnert es vielleicht etwas an die Kopfzahl der Amerikaner in Vietnam. Aber vielleicht auch nicht und das ist etwas geschmacklos. Sorry. Eines ist auf jeden Fall klar. Man kann die Hamas mit der IDF nicht besiegen und auch nicht schwächen. Eine Terrororganisation braucht den Terror wie die Luft zum Leben. Sie saugt ihn mit jeder Pore ein und ist selber Terror. Was sie aber hasst, wie die Pest, ist Normalität. So wie das Licht den Schatten vertreibt, vertreibt die Normalität den Hass. Wenn Frieden eine Ware währe wie Channel N° 5 oder Coca Cola, würde man er ein Heer von Werbefachleuten beschäftigen um dieses Produkt an den Mann bzw. an die Frau zu bringen. Ist es aber nicht und vielleicht wäre Netanyahu besser dran, sich darüber Gedanken zu machen, als darüber nachzudenken in Gaza einzumaschieren.

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